Von Aleppo an die Nordsee: Ein syrischer Koch und ein Juister Hotelier erzählen

Jigar Hasso kam 2013 als Flüchtender nach Deutschland. In seiner syrischen Heimat war der ausgebildete Koch in einem internationalen Hotel angestellt. Heute wohnt und arbeitet er auf der Nordseeinsel Juist.

Sein neuer Chef, Stefan Danzer vom 4 Sterne Romantik und Wellness Hotel Achterdiek, unterstützte ihn bei der Berufsanerkennung und bereitete ihn auf die Qualifikationsanalyse im Rahmen des Anerkennungsverfahrens vor – denn wie vielen Geflüchteten fehlten auch Jigar Hasso notwendige Dokumente, um seine Kenntnisse und Fähigkeiten schriftlich nachzuweisen.

Im Interview mit ihm und mit Stefan Danzer geht es um seinen bisherigen beruflichen Weg in Deutschland – von den Faktoren, die zur Einstellung führten bis zur Bedeutung der Berufsanerkennung.

Herr Hasso, warum sind Sie nach Deutschland gekommen und wie haben Sie hier in Ihrem erlernten Beruf als Koch wieder Fuß gefasst?

Jigar Hasso: Aufgrund der Kriegssituation in meiner Heimat Syrien musste ich im Jahr 2013 das Risiko eingehen und über verschiedene Länder nach Deutschland flüchten, um zu arbeiten und meine Familie finanziell zu unterstützen. Mein älterer Bruder Shiyar war bereits vor mir hier und so hatte ich schon etwas Familienanschluss. In Dortmund habe ich Asyl beantragt und wurde 9 Monate in verschiedenen Asylheimen in Dortmund, Neuss, Karlsruhe, Isny und Duisburg untergebracht. In Duisburg habe ich über die Agentur für Arbeit eine Wohnung bekommen, ich durfte zudem eine Sprachschule besuchen. Ich unterhielt mich öfters mit einer Polik und es stellte sich heraus, dass ihr Freund ebenfalls Koch ist und in einem Restaurant ganz in der Nähe arbeitete. Also schrieb ich eine Bewerbung an dieses Restaurant und wurde tatsächlich eingestellt. Irgendwann stellte sich heraus, dass die Schwester meiner Bekannten aus dem Sprachkurs auf Juist als Hausdame arbeitet und ihr Bruder ebenfalls dort im Romanik und Wellness Hotel Achterdiek als Servicekraft beschäftigt ist. Er arrangierte ein Probearbeiten in diesem Hotel, dass zu einem Arbeitsverhältnis führte und seitdem lebe ich auf Juist. Das Leben auf der Insel gefällt mir sehr gut, ich habe nette Arbeitskollegen und mit Herrn Danzer einen super Chef.

Herr Danzer, was waren die aus Unternehmersicht entscheidenden Gründe, Herrn Hasso einzustellen?

Stefan Danzer: Ich habe Herrn Hasso genommen, da er im Vorstellungsgespräch einen sehr sympathischen Eindruck machte und sehr gute Umgangsformen hatte. Sein Deutsch war schon sehr gut. Ich war zudem interessiert, unsere Speisekarte um einige syrische Gerichte zu erweitern. Dieses Angebot konnten wir gut etablieren. Wir hatten das Glück, dass Herr Hasso schon eine umfassende Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung hatte und wir ihn so ganz normal anmelden konnten. Hier auf der Gemeinde war die Anmeldung im Einwohnermeldeamt auch kein Problem – der Brief der GEZ kam auch postwendend. Das nenne ich Integration.

Warum ist die Anerkennung für Unternehmen attraktiv?

Stefan Danzer: Mit der Anerkennung ist man auf der Augenhöhe mit in Deutschland ausgebildeten Fachkräften. Und natürlich möchte jedes Unternehmen mit nachgewiesenermaßen qualifizierten Fachleuten arbeiten. Außerdem können wir durch weitere Förderung einen Mitarbeiter mit Gleichwertigkeitsbescheid z.B. die Ausbildereignung erwerben lassen und ihn so noch qualifizierter einsetzen. Die neue Perspektive – qualifiziert seinem Beruf nachgehen zu können – und zudem darin weiterzukommen ist elementar.

Wie bewerten Sie die im Anerkennungsgesetz vorgesehene Möglichkeit, berufliche Qualifikationen durch eine Qualifikationsanalyse zu ermitteln, wenn keine Dokumente vorgelegt werden können und wie haben Sie Herrn Hasso bei der Vorbereitung auf die Qualifikationsanalyse unterstützt?

Stefan Danzer: Häufig können bei der Flucht nicht alle für eine Berufsanerkennung notwendigen Unterlagen mitgenommen werden, manchmal gehen sie auch auf der anstrengenden und gefährlichen Reise verloren und vielfach existieren die ausbildenden Institutionen nicht mehr, um Unterlagen nachzufordern. Daher ist es sicher eine gute Möglichkeit, fehlende Kenntnisse und Fertigkeiten durch eine Qualifikationsanalyse für eine Anerkennung des Berufs durch eine Arbeitsprobe etc. zu ermitteln. Ich konnte Herrn Hasso durch meine Erfahrung mit den ehemaligen Azubis gut auf die anstehende Prüfung vorbereiten, sowohl was Ablauf, Menü, Arbeitsablaufplan und Verkaufsgespräch betrifft.

Würden Sie die Antragsstellung für ein Anerkennungsverfahren Weiterempfehlen?

Stefan Danzer: Auf jeden Fall. Ich finde den Nachweis einer Qualifikation wichtig, schließlich geht es um die Qualität der Berufsausbildung nach dem dualen System. Wer belegt, dass sein Leistungsniveau auf dem Level einer deutschen Ausbildung liegt, der bekommt seinen Abschluss anerkannt.

Wie unterscheidet sich die Arbeitsweise als Koch in Deutschland von der in Syrien?

Jigar Hasso: Vom Grundsatz her ist das Arbeiten nicht viel anders als in Deutschland, ich war im Sheraton Hotel in Aleppo mit internationalen Gästen, dementsprechend war auch die Speisekarte international. In Deutschland ist mehr Struktur und Organisation in der Küche, hier arbeite ich auch mit moderneren Geräten, wie z.B. Combidämpfern oder Hold-O-mat. In Syrien sind wir mit Lebensmitteln zudem großzügiger umgegangen und haben weniger ökonomisch gearbeitet.

Welche Schwierigkeiten sehen Sie für Ihren Neubeginn in Deutschland?

Jigar Hasso: An sich sehe ich hier auf Juist keine Schwierigkeiten, allerdings wenn ich die Nachrichten schaue und das Geschehen in Deutschland verfolge, bekomme ich schon Bedenken, dass ich auf Grund meiner Herkunft in eine Schublade gesteckt werde. Ich versuche mich aktiv zu integrieren und die deutschen Bräuche und Sitten zu verstehen. Von meinen Landsleuten wünsche ich mir, dass diese Art Integration Kultur wird.


Unser heutiges Praxisbeispiel wurde uns von unseren Partnern der IHK FOSA zur Verfügung gestellt. Die IHK FOSA (Foreign Skills Approval) ist die zentrale Stelle für die Bewertung und Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen im Bereich der Industrie- und Handelskammern.

Foto: Steffi Pelz / pixelio.de