In 4 Schritten verborgene Fachkräftepotenziale heben

In vielen Betrieben „schlummern“ verborgene Fachkräftepotenziale: Beschäftigte, die im Ausland eine Berufsausbildung absolviert, sie aber bisher nicht anerkennen lassen haben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese „verborgenen Schätze“ in 4 einfachen Schritten heben können.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Sie vermuten, dass der ein oder die andere Ihrer Mitarbeitenden über einen bisher nicht anerkannten ausländischen Berufsabschluss verfügt? Dann lohnt sich im ersten Schritt ein Blick in die Personalakte. Oft finden sich hier bereits entsprechende Qualifikationsnachweise.

Es kommt jedoch auch vor, dass Mitarbeitende bei ihrer Bewerbung nicht alle Qualifikationsnachweise einreichen, z.B. weil sie denken, dass ihr fremdsprachiges Zeugnis in Deutschland wertlos sei. Fragen Sie die Person in einem persönlichen Gespräch direkt nach möglichen Qualifikationen.

 

Schritt 2: Vorbereitungen treffen

Wenn eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter über nicht anerkannte ausländischen Berufsqualifikationen verfügt  und Sie sich vorstellen können, sie als anerkannte Fachkraft in ihrem Beruf zu beschäftigen, stellen sich folgende Fragen:

  • Wie funktioniert die berufliche Anerkennung?
  • Wer ist zuständig?
  • Wie lange dauert das Verfahren und was kostet es?
  • Welche Dokumente und Nachweise werden benötigt?

Hierbei können Ihnen unsere Informationsbroschüren für Handwerks– und für IHK-Betriebe helfen.

Es ist außerdem sinnvoll, sich schon im Vorfeld des Gespräches Gedanken darüber zu machen, ob und wie Sie die Person im Rahmen der Berufsanerkennung unterstützen möchten bzw. können (z.B. Freistellung, Begleitung zu Terminen, Finanzierungshilfe).

Schritt 3: Das Gespräch suchen

Wenn diese Fragen geklärt sind, ist es Zeit, das direkte Gespräch mit der Person zu suchen. Darin sollten Sie einerseits vermitteln, welche Ziele Sie selbst mit der beruflichen Anerkennung verbinden (z.B. Einsatz als qualifizierte Fachkraft), andererseits aber auch verdeutlichen, welche Chancen das für Ihren Mitarbeiter bzw. Ihre Mitarbeitern bietet (z.B. neue, verantwortungsvollere Tätigkeiten, eine bessere Bezahlung und/oder Aufstiegsperspektiven). Fragen Sie auch nach den Erwartungen des Mitarbeitenden und machen Sie klar, welche Erwartungen Sie erfüllen können und welche nicht.

Es ist gut möglich, dass die Person im Gespräch zum ersten Mal von der Berufsanerkennung hört. Vielleicht hat sie direkt ein „Prüfungsszenario“ im Kopf und reagiert im ersten Moment eher zurückhaltend. Darum signalisieren Sie am besten gleich Ihre Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beim Zusammentragen von Unterlagen. So machen Sie deutlich, dass Sie Ihrer Mitarbeiterin bzw. ihrem Mitarbeiter im Anerkennungsverfahren zur Seite stehen.

4. Einen Erstberatungstermin vereinbaren

Nach dem Gespräch sollten Sie der Person erst einmal Gelegenheit haben, sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vereinbaren Sie am besten direkt ein Folgegespräch innerhalb der nächsten 14 Tage.

Willigt die Person im Folgegespräch ein, ihren Berufsabschluss anerkennen zu lassen, empfehlen wir Ihnen, einen gemeinsamen Termin bei einer sogenannten Anerkennungsberatung zu vereinbaren. Eine Übersicht über die verschiedenen Anbieter haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Im Erstberatungstermin klären Sie, welche Unterlagen benötigt und die nächsten Schritte aussehen werden. Anschließend stellen Sie den Antrag und der Prozess beginnt. Die Fachleute der Beratungsstellen stehen Ihnen auch dann mit Rat und Tat zur Seite und helfen, Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihren Mitarbeiter auf seinem Weg zur neuen Fachkraft in Ihrem Unternehmen zu begleiten.

3 Gründe im eigenen Betrieb nach verborgenen Fachkräftepotenzialen zu suchen

Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwerer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichzeitig arbeiten viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, obwohl sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Die Berufsanerkennung kann dabei helfen, diese versteckten Fachkräftepotenziale sicht- und nutzbar zu machen.

3 Gründe, warum es sich für Unternehmen lohnt, hier genauer hinzusehen:

1.  Die Berufsanerkennung ist kosteneffizient

Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro. Das Anerkennungsverfahren ist deutlich preiswerter zu haben, selbst wenn zu den Gebühren (100 bis 600 Euro) weitere Kosten für Übersetzungen oder ähnliches hinzukommen. Seit November 2016 besteht zudem in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Teil der Kosten über den Anerkennungszuschuss des Bundes abzudecken.

2. Der Betrieb kennt die Fachkraft bereits – und die Fachkraft den Betrieb

Wenn Unternehmen eine neue Fachkraft einstellen, erhalten sie lediglich einen ersten Eindruck der Person. Wichtige Faktoren wie die persönliche Einsatzbereitschaft, die Teamfähigkeit und die sogenannten „Soft Skills“ lassen sich meist erst später beurteilen. Aber auch die Fachkraft kann im Regelfall erst weit nach Ihrer Einstellung sicher sagen, ob sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wirklich wohl fühlt und bereit ist, sich längerfristig an den Betrieb zu binden. Anders verhält es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits im Betrieb arbeiten: Sie kennen den Betrieb bereits  und der Betrieb kennt sie!

3. Berufsanerkennung ist immer auch Mitarbeiterbindung

Rund 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden¹. Wenn Sie Ihren Beschäftigten durch die Berufsanerkennung ermöglichen, ihr Fachkräftepotenzial zu entfalten, ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung und trägt so zur Mitarbeiterbindung bei!


¹ Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)