Geflüchtete beschäftigen: Unterstützung nutzen und Qualifikationen transparent machen

– von Svenja Jambo

Sprechen wir in Deutschland von hier tätigen ausländischen Fachkräften, so geht es meistens um EU-Mitbürger. Denn die Arbeitsmigration nach Deutschland ist bislang geprägt von der Zuwanderung aus dem europäischen Ausland. Auch bei den eingereichten Anträgen auf berufliche Anerkennung in Deutschland liegen die EU-Bürger auf den vorderen Rängen. Bei der Rekrutierung aus dem Ausland schauen Unternehmen ebenfalls vor allem in die europäischen Nachbarländer. Denn hier gibt es keine rechtlichen Hürden bei der Arbeitsaufnahme. In den letzten Jahren hat jedoch auch die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter zunehmend an Bedeutung gewonnen. Diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe hat zugleich einen Nutzen für Betriebe. Denn die Menschen sind bereits in Deutschland und bringen oftmals berufliche Erfahrungen und Qualifikationen aus ihren Herkunftsländern mit. Dieses Potenzial – gepaart mit den Möglichkeiten zur Nachqualifizierung – zu nutzen, zahlt sich für Betriebe aus: Sie können geeignete, motivierte Mitarbeiter finden und Fachkräfte gewinnen.

Mit dem erhöhten Zuzug Geflüchteter wurde der rechtliche Rahmen für die Beschäftigung dieser Zielgruppe verbessert. Einen Zugang zum Arbeitsmarkt gibt es nicht nur für anerkannte Flüchtlinge, sondern auch für Asylbewerber (der Asylentscheid steht noch aus) und Geduldete (der Asylantrag wurde abgelehnt und die Abschiebung ausgesetzt).

Unterstützung nutzen

Während bei der Beschäftigung von Migranten mit deutschem Pass oder EU-Ausländern keine rechtlichen Besonderheiten zu beachten sind, stellen sich Betrieben bei Menschen mit Fluchthintergrund oftmals viele Fragen: Wen darf ich überhaupt legal beschäftigen? Wie komme ich in Kontakt? Kann ich auf ausreichend Vorkenntnissen aufbauen? Wer kann mir dabei helfen?

Die gute Nachricht lautet: Sie als Unternehmen müssen nicht alles alleine machen. Sie können auf Unterstützungsangebote zurückgreifen. Es gibt eine Vielzahl von Programmen für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund. Aber auch sonstige Fördermaßnahmen z. B. zur fachlichen oder finanziellen Unterstützung in Aus- und Weiterbildung stehen der Zielgruppe weitestgehend offen.

Informationen rund um die Integration von Geflüchteten finden Sie auf der Dossierseite des Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unter www.kofa.de/fluechtlinge. Das KOFA wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) gefördert und richtet sich mit seinen Angeboten zur Fachkräftesicherung an kleine und mittlere Unternehmen.

Zentral stehen kleinen und mittleren Unternehmen die Willkommenslotsen zur Seite. Gefördert vom BMWi unterstützen sie Schritt für Schritt rund um die Integration von Geflüchteten in Ihren Betrieb. Weitere Informationen zu den Willkommenslotsen und anderen bundesweiten und regionalen Initiativen finden Sie hier.

Für Anerkennung werben

Bringen Menschen aus dem Ausland einen formalen Berufsabschluss mit, können sie einen Antrag auf Anerkennung des Abschlusses stellen. Dieses Recht gilt für Personen mit ausländischem Berufsabschluss unabhängig von Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsstatus. Als Betrieb haben Sie durch das Anerkennungsverfahren die Möglichkeit, die Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter oder Bewerber sichtbar zu machen und Lücken zu identifizieren. Durch gezielte Nachqualifizierung und Weiterbildung können sie dann ihr Potenzial entfalten. Das erhöht zudem die Motivation und bindet Mitarbeiter an das Unternehmen. Welche Möglichkeiten der Nachqualifizierung und entsprechender Fördermaßnahmen es gibt, lesen Sie hier.

Willkommenskultur leben

Haben Sie eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter für Ihren Betrieb gefunden, sollten Sie die Person herzlich willkommen heißen. Das gilt grundsätzlich für jeden neuen Mitarbeiter. Menschen, die erst kürzlich unter besonders schwierigen Bedingungen nach Deutschland gekommen sind, haben einen intensiveren Unterstützungsbedarf. Sie können noch nicht auf ein umfassendes soziales Netz zurückgreifen. Fragen Sie also auch hier nach, ob Unterstützung beim fachlichen Spracherwerb, bei der Wohnungssuche oder bei Behördengängen (z. B. Ausländerbehörde) nötig ist. Auch sind die kulturellen Differenzen häufig stärker als bei Menschen aus EU-Nachbarländern. Besonders hilfreich bei der Integration im Betrieb sind Mentoren, die neuen Mitarbeitern beiseite stehen und erster Ansprechpartner sind. Praktische Tipps zur Entwicklung einer Willkommenskultur in Ihrem Unternehmen, lesen Sie hier.

 


Über die Autorin: Svenja Jambo ist Economist im Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA).

Das Kompetenzzentrum hat das Ziel, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei der Fachkräftesicherung und der Gestaltung ihrer Personalarbeit zu unterstützen. Gestartet wurde es vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Förderer ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi).