Neue Themenreihe: Beschäftigung Geflüchteter

Die meisten Anträge auf Berufsanerkennung stammen von Fachkräften aus unseren europäischen Nachbarländern. In den vergangenen Jahren ist aber auch der Anteil der Geflüchteten unter den ausländischen Arbeitnehmern deutlich gestiegen.

In Zusammenarbeit mit unseren Partnern vom NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge wollen wir uns in unserer neuen Themenreihe deshalb mit der Frage befassen, welche Besonderheiten es bei der Beschäftigung Geflüchteter für Unternehmen gibt:

  • Wie können Unternehmen mit Geflüchteten in Kontakt kommen?
  • Wie können Unternehmen die Kompetenzen Geflüchteter einschätzen?
  • Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen und Geflüchtete?
  • Welche Hilfestellungen gibt es für Unternehmen im Alltag?

Folgen Sie uns auf Facebook und Twitter, lassen Sie sich inspirieren, und diskutieren Sie mit uns über Ihre Erfahrungen und Ideen – wir freuen uns auf Sie!

Ein Gewinn für beide Seiten: Wie Unternehmen und Fachkräfte von der Anpassungsqualifizierung profitieren

Für viele Anerkennungssuchende ist die Anpassungsqualifizierung ein zentraler Schritt, um die volle Gleichwertigkeit ihres ausländischen Berufsabschlusses mit dem deutschen Referenzberuf zu erlangen. Warum in der Anpassungsqualifizierung aber auch große Chancen für Unternehmen liegen, erläutern Arne Hirschner von IHK Hannover und Frank Bixler von der Handwerkskammer der Pfalz im Interview mit »Unternehmen Berufsanerkennung«.

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Unternehmen Berufsanerkennung: Herr Bixler, Herr Hirschner, was genau ist eine Anpassungsqualifizierung und welchen Zweck erfüllt sie in der beruflichen Anerkennung?

Bixler: Allgemein bezeichnet der Begriff der Anpassungsqualifizierung ja eine Maßnahme, bei der einer Person Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt werden, die sie braucht, um den Anforderungen des aktuellen Arbeitsmarktes zu entsprechen. Im konkreten Kontext der Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse sind damit Maßnahmen gemeint, die wesentliche Unterschiede zwischen einer ausländischen Qualifikation und dem deutschen Referenzberuf ausgleichen soll.

Hirschner: Richtig. Die Anpassungsqualifizierung kommt immer dann ins Spiel, wenn eine Fachkraft mit ausländischem Abschluss bereits ein Anerkennungsverfahren durchlaufen hat und – aufgrund wesentlicher Unterschiede zum deutschen Berufsbild – nur eine teilweise Gleichwertigkeit beschieden bekommen hat. Die Maßnahme dient dann dazu, die Lücken zur vollen Gleichwertigkeit zu schließen.

Rund jede/r sechste Anerkennungssuchende in Deutschland besucht eine Anpassungsqualifizierung (Quelle: BMBF).

Unternehmen Berufsanerkennung: Nun können aber ja die Unterschiede zwischen dem ausländischen Abschluss und dem deutschen Referenzberuf sehr individuell sein, gerade weil in das Anerkennungsverfahren beispielsweise auch die persönliche Berufserfahrung einfließt. Heißt das, dass die Anpassungsqualifizierung ebenso individuell ist?

Hirschner: Ja, genau. Bei einer Anpassungsqualifizierung handelt es sich immer um eine individuelle, passgenaue Qualifizierung im Anschluss an ein Anerkennungsverfahren. Wie genau sie ausgestaltet ist, bemisst sich daran, welche Fertigkeiten und Kompetenzen eine Person noch erwerben muss, um eine volle Gleichwertigkeit zu erhalten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Anpassungsqualifizierung kann man einen Folgeantrag bei der zuständigen Stelle einreichen. Diese prüft dann, ob die wesentlichen Unterschiede ausgeglichen wurden und bescheinigt gegebenenfalls eine volle Gleichwertigkeit.

Bixler: …und genau weil die Anforderungen an eine Anpassungsqualifizierung so individuell sind, ist es besonders wichtig, dass sehr genau hingeschaut wird, was die konkrete Person benötigt. Das hängt nicht nur davon ab, über welchen ausländischen Berufsabschluss die Person verfügt und auf welche Erwerbsbiografie sie bereits zurückblicken kann, sondern auch vom sozialen und geografischen Umfeld der Person. Wir empfehlen deshalb grundsätzlich, bei der Wahl einer geeigneten Anpassungsqualifizierung die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen, beispielsweise bei der Kammer vor Ort.

Unternehmen Berufsanerkennung: Wie muss man sich denn eine Anpassungsqualifizierung vorstellen und in welchem Rahmen findet sie statt?  

Bixler: Auch das ist von Einzelfall zu Einzelfall unterschiedlich. Grundsätzlich lassen sich aber zwei Formen von Qualifizierungsmaßnahmen unterscheiden: Betriebliche und überbetriebliche. Überbetriebliche Maßnahmen können zum Beispiel Weiterbildungskurse bei verschiedenen Trägern sein. Welche Träger da in Frage kommen, hängt vom jeweiligen Berufsbild ab. Oftmals kommen auch Unterweisungen in einer überbetrieblichen Lehrwerkstatt in Frage. Und manchmal ist auch eine Kombination verschiedener Maßnahmen – betrieblich und überbetrieblich – nötig, um dem individuellen Qualifizierungsbedarf einer Person gerecht zu werden.

Für viele Unternehmen ist die Anpassungsqualifizeriung eine Chance, neue Fachkräfte zu gewinnen…

Hirschner: Ein häufiges Beispiel für eine betriebliche Anpassungsqualifizierung sind Praktika. Besser ist es natürlich, wenn die Anpassungsqualifizierung mit einem festen Arbeitsverhältnis einhergeht: Wenn bereits ein Arbeitsverhältnis besteht, können die Maßnahmen oft einfach in den regulären Arbeitsalltag integriert werden. Bei einem Neueinstieg kann man beispielsweise die Einarbeitungszeit verlängern und dann in dem Rahmen nachqualifizieren.

Unternehmen Berufsanerkennung: Welche Chance bietet die Anpassungsqualifizierung für Unternehmen?

Hirschner: Der demografische Wandel führt bereits heute in bestimmten Branchen zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften, etwa bei den Berufen mit technischem Knowhow. Unternehmen sind deshalb gut beraten, zusätzliches Fachkräftepotenzial von Inhabern ausländischer Berufsabschlüsse zur Deckung des eigenen Qualifikationsbedarfs zu nutzen. Über eine Anpassungsqualifizierung können sie sich von ihrem Potenzial überzeugen und gleichzeitig auch einen Bindungsanreiz schaffen. Manche Betriebe ermöglichen Anpassungsqualifizierungen auch, um mit der resultierenden Anerkennung des Berufsabschlusses spezifische Auflagen beispielsweise öffentlicher Auftraggeber zu erfüllen oder um Kunden einen gewissen Qualitätsstandard zu signalisieren.

Ich kann Betrieben nur empfehlen offen zu sein und den Anerkennungssuchenden eine Chance zu geben, ihre Fähigkeiten zu zeigen und sich weiterzuentwickeln. Oft werden sie über viele Jahre mit einer sehr motivierten und loyalen Fachkraft belohnt.

Bixler: Die Situation der Fachkräfteengpässe wird sich mit Fortschreiten des demografischen Wandels in den kommenden Jahren ja auch noch weiter zuspitzen. Insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen wird es zukünftig schwerfallen, ihren Bedarf an fachlich gut ausgebildeten Arbeitskräften zu decken. Wie Herr Hirschner schon sagte: Umso wichtiger wird es für Unternehmen sein, wo immer es geht vorhandene Fachkräftepotenziale nutzbar zu machen. Die Anpassungsqualifizierung ist da ein sehr gutes Mittel, insbesondere, wenn sie im eigenen Betrieb durchgeführt wird. Dadurch vermindern sich nämlich die Ausfallzeiten für außerbetriebliche Weiterbildungen sowie die Qualifizierungskosten. Ebenso kann der zeitliche Rahmen der Qualifizierung individueller auf betriebliche Abläufe angepasst werden.

Unternehmen Berufsanerkennung: Mit welchen Aufwänden ist die Anpassungsqualifizierung für Unternehmen verbunden?

…oder bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Betrieb zu binden.

Bixler: Einfach formuliert kann man sagen: Der Aufwand einer betrieblichen Anpassungsqualifizierung entspricht zeitlich und personell der praktischen Vermittlung der jeweiligen Ausbildungsinhalte in der klassischen Berufsausbildung. Es ist nach unserer Erfahrung für beide Seiten sinnvoll – ähnlich wie bei einer Einstiegsqualifizierung – einen Qualifizierungsvertrag mit festgelegten Qualifizierungsbausteinen zu erstellen und beiderseitig verbindlich zu unterzeichnen.

Hirschner: Für Unternehmen ist dabei sicherlich der Anerkennungsbescheid eine große Hilfe. Er enthält ja nicht nur Informationen zur Dauer und zu den Inhalten einer ausländischen Ausbildung, sondern auch Angaben dazu, mit welchem deutschen Beruf der ausländische Abschluss vergleichbar ist. Damit haben Unternehmen dann einen Bezugsrahmen, den sie kennen. Bei einer teilweisen Gleichwertigkeit werden darüber hinaus die festgestellten Unterschiede im Anerkennungsbescheid aufgeführt. Wir in der IHK Hannover gehen sogar noch ein Stück weiter und listen die erforderlichen Inhalte in einem zusätzlichen Begleitschreiben zur Anpassungsqualifizierung detailliert auf. Mit all diesen Informationen können sich Unternehmen sehr schnell ein Bild davon machen, welcher zeitliche und personelle Aufwand mit einer Anpassungsqualifizierung verbunden ist.

Unternehmen Berufsanerkennung: Gibt es bestimmte Voraussetzungen, die Unternehmen erfüllen müssen, um eine Anpassungsqualifizierung im eigenen Betrieb zu ermöglichen? Muss der Betrieb zum Beispiel ein Ausbildungsbetrieb sein?

Hirschner: Inhaltliche Unterschiede zur ausländischen Ausbildung beziehen sich immer auf Lücken im Vergleich mit der aktuellen Ausbildungsordnung bzw. dem gültigen Rahmenlehrplan. Zum Ausgleich von inhaltlichen Unterschieden ist es deshalb – anders als bei fehlender Berufspraxis – sicherlich hilfreich, wenn die Anpassungsqualifizierung in einem Ausbildungsbetrieb absolviert wird.

Bixler: Damit die Anpassungsqualifizierung erfolgreich ablaufen kann, muss der Betrieb natürlich die fehlenden bzw. zu vermittelnden Kenntnisse und Kompetenzen fachlich korrekt ausüben und auch vermitteln können. Vor dem Hintergrund ist es schon empfehlenswert, wenn der Betrieb ein Ausbildungsbetrieb ist – zwingend erforderlich ist das aber nicht.

Hirschner: Viele Betriebe bewegt auch das Thema Vergütung während der Anpassungsqualifizierung. Nach Auslegung des Bundesarbeitsministeriums werden betriebliche Anpassungsqualifizierungen im Kontext des Anerkennungsgesetzes als Pflichtpraktika gewertet und sind damit grundsätzlich von der Mindestlohnpflicht ausgenommen. Voraussetzung dafür ist, dass die Qualifizierung erforderlich ist, um die volle Anerkennung des ausländischen Abschlusses zu erreichen. Wir empfehlen unseren Betrieben sich bei diesem Thema an der Ausbildungsvergütung im dritten Ausbildungsjahr zu orientieren. Schließlich bringen Bewerber mit einer Teilanerkennung meist schon eine ganze Menge an Wissen mit.

Unternehmen Berufsanerkennung: Herr Bixler, Herr Hirschner, wir danken Ihnen für das Gespräch!


Frank Bixler ist Teamleiter Projekte im Geschäftsbereich Berufsbildung bei der Handwerkskammer der Pfalz.

Arne Hirschner ist bei der IHK Hannover zuständig für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse.

 

Themenreihe: Wie Unternehmen von der Anpassungsqualifizierung profitieren können

»Es ist schwer geworden, qualifizierte Auszubildende zu finden. [Im Bereich der beruflichen Anerkennung] gibt es einen Markt mit motivierten Personen, die schon über eine Grundqualifikation verfügen und ‚hungrig‘ danach sind, noch viel dazuzulernen. Die Anpassungsqualifizierung ist quasi eine Ausbildung im Schnellverfahren.«

Angelika Hemm, Personalleiterin im Le Meridién Grand Hotel Nürnberg

Vielen Fachkräfte, die ihren ausländischen Berufsabschluss in Deutschland anerkennen lassen, wird die volle Gleichwertigkeit ihrer Qualifikation mit dem deutschen Vergleichsberuf bescheinigt.¹ Ein kleinerer Teil erhält einen Bescheid über eine teilweise Gleichwertigkeit: Ihre ausländische Qualifikation weist wesentliche Unterschiede zum deutschen Berufsbild auf.

Ist das problematisch? Im Gegenteil. Die betroffenen Fachkräfte können die fehlenden Kenntnisse, Fertigkeiten bzw. Fähigkeiten nämlich im Rahmen einer sogenannten Anpassungsqualifizierung ausgleichen. Manchmal lernen sie dabei gleich ihren zukünftigen Arbeitgeber kennen – und dieser, wie das Le Meridién Grand Hotel Nürnberg, eine neue Mitarbeiterin bzw. einen neuen Mitarbeiter.

Wie genau läuft eine Anpassungsqualifizierung ab? Und warum und wie kann es sich für Unternehmen lohnen, Anpassungsqualifizierungen im eigenen Betrieb anzubieten? Um diese und weitere Fragen dreht sich unsere neue Themenreihe, in der Expertinnen und Experten aus der Anerkennungsberatung ebenso zu Wort kommen wie Unternehmen, die bereits positive Erfahrungen mit der Anpassungsqualifizierung gemacht haben.

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!


¹Quelle: BIBB

Von gegenseitigem Respekt und verdienter Anerkennung

Kfz-Handwerk – das sind nicht nur die Glaspaläste der großen Autohäuser, die die Einfallsstraßen vieler deutscher Großstädte säumen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Tankstelle mit Reparaturwerkstatt auf dem Land oder der kleine Kfz-Betrieb zu Hause um die Ecke. Oftmals wird in diesen freien Werkstätten noch das klassische Kfz-Handwerk gelebt, wird nicht nur ausgetauscht, sondern wenn möglich repariert. So wie bei Monika und Hartmut Henning im bergischen Velbert.

– aus der „Werkstatt 2017“, Handwerkskammer Düsseldorf

Der siebzigjährige Kfz-Meister und seine Frau führen hier seit vielen Jahren ihr eigenes Geschäft, den „Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning“. Beide in einem Alter, in dem andere sich längst aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, sind die Hennings auch weiterhin für ihre Stammkunden da.

Aufhören kommt für Hartmut Henning aber nicht in Frage! Seit über 40 Jahren ist er im Beruf, und das immer noch voller Begeisterung. In seinem langen Berufsleben hat er nicht nur Kraftfahrzeuge aller Art, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Couleur kennengelernt. Er weiß daher, wie schwer es ist, gute Gesellen zu finden, die auch die nötige Motivation mitbringen. Zu oft fehle ihm bei den jungen Leuten die Leidenschaft für den Beruf, so Henning.

Gesucht: Mitarbeiter mit „Rundum-Kenntnissen“

Das Glück des Tüchtigen: Mit viel Eigeninitiative fand Hossein Gohari in Deutschland schnell eine Arbeitsstelle in seinem erlernten Beruf.

Lange war Kfz-Meister Hartmut Henning deshalb schon auf der Suche nach einem passenden Mitarbeiter für den kleinen Betrieb. Durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung kann er die verschiedensten handwerklichen Dienstleistungen für alle Arten von Kraftfahrzeugen anbieten. Daher wünschte er sich als Unterstützung eine Fachkraft, die ebenfalls über sehr breite Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Genau dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil hatte er im Hinterkopf, als sich vor gut eineinhalb Jahren ein junger Mann aus dem Iran bei ihm vorstellte und in gebrochenem Deutsch nach einer Anstellung als Kfz-Mechatroniker fragte.

Hossein Moshaadaeh Gohari ist zu diesem Zeitpunkt erst seit gut zwei Wochen in Deutschland. Der Liebe wegen hatte es ihn ins Bergische verschlagen. Die Familie seiner Frau lebt in Velbert. Nun will er unbedingt arbeiten. Und das in seinem erlernten Beruf und nicht als Hilfsarbeiter in der Fabrik, wie ihm dies die örtliche Arbeitsagentur vorschlug. Auf eigene Faust beginnt er, sich bei den Kfz-Werkstätten in der Umgebung persönlich vorzustellen und seine Bewerbungsunterlagen zu verteilen – so auch beim Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning. Hier erkannte man schnell das Potential des jungen Iraners.

Ein Bewerber mit viel Eigeninitiative

Die Bewerbungsunterlagen und der vielseitige berufliche Lebenslauf des 28-Jährigen weckten sofort das Interesse des erfahrenen Kfz-Meisters. Dieser positive erste Eindruck bestätigte sich bei einem Probearbeitstag. Um die iranische Fachkraft noch besser kennenzulernen, bot Hartmut Henning ihm nun ein zweiwöchiges Praktikum an.

Monika Hennings anfängliche Zweifel, wie das mit so geringen Sprachkenntnissen in der Werkstatt funktionieren könnte, stellten sich schnell als unbegründet heraus. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, und die Deutschkenntnisse wurden von Tag zu Tag besser. Und was noch wichtiger war: Sowohl fachlich als auch auf der menschlichen Ebene überzeugte der junge Migrant seinen deutschen Arbeitgeber voll und ganz. Nach zwei Wochen stand deshalb fest, dass er der gesuchte neue Mitarbeiter ist: „Hossein Gohari bringt das Wissen und all die Eigenschaften mit, die ich mir von einem Mitarbeiter immer gewünscht habe. Er ist nett, immer höflich, hat noch keinen Tag gefehlt und beherrscht vor allem noch das Reparieren.“

Chefin Monika Henning ist zufrieden: Ihr Kfz-Meisterbetrieb hat mit Hossein Gohari den idealen Mitarbeiter gefunden.

Auch Monika Henning ist voll des Lobes für den zurückhaltenden und sympathischen jungen Kfz-Fachmann. Dass man sich gut versteht, ist gerade für eine kleine Werkstatt wichtig, die in erster Linie von ihrer Stammkundschaft und Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Und wer Verkaufsraum oder Werkstatt betritt, merkt das sofort. Im Iran geboren und aufgewachsen, absolvierte Hossein Gohari dort zunächst drei Jahre die technische Oberschule und besuchte dann zwei Jahre lang eine technische Berufsfachschule. Damit verfügte er über ein breites – insbesondere theoretisches – Wissen im Bereich Kfz-Mechatronik. Die praktische Berufserfahrung erlangte er vor allem über seine Arbeit bei Vertragswerkstätten von Peugeot, Hyundai und KIA Motors im Iran.

Vor vier Jahren verließ Hossein Gohari seine Heimat, um im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn in die Ukraine, wo er bei einer Toyota-Vertragswerkstatt tätig war. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er dann nach Deutschland kam. Auch in der neuen Heimat war es von Beginn an seine oberste Priorität, wieder als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Schon während Hossein Gohari sein Praktikum im Betrieb machte, erkundigte sich Hartmut Henning nach einer Möglichkeit, dessen iranische Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Für den Kfz-Meister war es wichtig, eine offizielle Bestätigung zu haben, dass die Qualifikationen seines neuen Mitarbeiters den deutschen Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker auf Gesellenebene entsprechen. Er wandte sich deshalb an die Kreishandwerkerschaft Mettmann, um zu erfahren, wer der richtige Ansprechpartner für ihn sei. Diese verwies ihn an die Handwerkskammer Düsseldorf, seit Inkrafttreten des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ Anfang 2012 zuständige Stelle für Anerkennungsverfahren. Seinen Mitarbeiter motivierte der Kfz-Meister daraufhin, einen Antrag zu stellen, und rüstete ihn gleich mit einem ausführlichen Arbeitszeugnis aus.

Volle Gleichwertigkeit

Von seinem Geburtsort Teheran führte den jungen Iraner sein Weg über die Ukraine ins bergische Velbert.

Der Iraner nahm den Ball auf und stellte bei der Handwerkskammer Düsseldorf eigenständig einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsabschlüsse. Begleitet und unterstützt von der Anerkennungsberatung der Kammer, verlief das Verfahren unkompliziert, und Hossein Gohari wurde nach kurzer Zeit die „volle Gleichwertigkeit“ seiner fachlichen Kenntnisse mit dem deutschen Gesellenbrief bescheinigt. Die volle Anerkennung seiner iranischen Berufsqualifikationen zu erhalten, war nicht nur für Gohari selbst eine wichtige Bestätigung. Auch Hartmut Henning resümiert: „Ich würde das Anerkennungsverfahren jedem Betrieb, der Mitarbeiter hat oder Bewerber einstellen möchte, die ihre Berufsausbildung im Ausland durchlaufen haben, uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Das Anerkennungsverfahren verschafft sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Klarheit darüber, wie die ausländischen Qualifikationen zu bewerten sind. Läuft es optimal, wie im Fall von Hossein Gohari, liegen die Vorteile für alle Seiten auf der Hand: Festanstellung mit der Sicherheit eines qualifizierten Abschlusses, Weiterbildungs- und Aufstiegsperspektiven für den Arbeitnehmer, Fachkräfte- und Nachwuchssicherung für den Unternehmer. Der Kfz-Meister aus Velbert jedenfalls ist hochzufrieden mit seiner neuen Fachkraft und unterstützt ihn daher auch beim nächsten Schritt, der nach der Anerkennung nun möglich ist: die Fortbildung zum Meister.

Voller Tatendrang besucht Hossein Gohari seit Januar 2017 die Meisterschule in Abendform und arbeitet natürlich auch weiter hart an seinen Deutschkenntnissen.


Titelbild: Hossein Moshaadaeh Gohari in der Werkstatt des Kfz-Meisterbetriebs Monika Henning.

Bildrechte (alle Bilder): Handwerkskammer Düsseldorf

3 Gründe im eigenen Betrieb nach verborgenen Fachkräftepotenzialen zu suchen

Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwerer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichzeitig arbeiten viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, obwohl sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Die Berufsanerkennung kann dabei helfen, diese versteckten Fachkräftepotenziale sicht- und nutzbar zu machen.

3 Gründe, warum es sich für Unternehmen lohnt, hier genauer hinzusehen:

1.  Die Berufsanerkennung ist kosteneffizient

Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro. Das Anerkennungsverfahren ist deutlich preiswerter zu haben, selbst wenn zu den Gebühren (100 bis 600 Euro) weitere Kosten für Übersetzungen oder ähnliches hinzukommen. Seit November 2016 besteht zudem in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Teil der Kosten über den Anerkennungszuschuss des Bundes abzudecken.

2. Der Betrieb kennt die Fachkraft bereits – und die Fachkraft den Betrieb

Wenn Unternehmen eine neue Fachkraft einstellen, erhalten sie lediglich einen ersten Eindruck der Person. Wichtige Faktoren wie die persönliche Einsatzbereitschaft, die Teamfähigkeit und die sogenannten „Soft Skills“ lassen sich meist erst später beurteilen. Aber auch die Fachkraft kann im Regelfall erst weit nach Ihrer Einstellung sicher sagen, ob sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wirklich wohl fühlt und bereit ist, sich längerfristig an den Betrieb zu binden. Anders verhält es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits im Betrieb arbeiten: Sie kennen den Betrieb bereits  und der Betrieb kennt sie!

3. Berufsanerkennung ist immer auch Mitarbeiterbindung

Rund 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden¹. Wenn Sie Ihren Beschäftigten durch die Berufsanerkennung ermöglichen, ihr Fachkräftepotenzial zu entfalten, ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung und trägt so zur Mitarbeiterbindung bei!


¹ Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)

Themenreihe: „Verborgene Fachkräftepotenziale im eigenen Betrieb aufspüren“

Bewerbungsverfahren kosten viel Zeit und Geld und führen trotzdem nicht immer zum gewünschten Erfolg. Andererseits arbeiten in vielen Firmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland in Helfertätigkeiten, obwohl sie über Fachabschlüsse aus ihren Herkunftsländern verfügen. Es lohnt sich deshalb genauer hinzusehen, ob Beschäftigte solche »verborgenen« Qualifikationen besitzen. Durch ein berufliches Anerkennungsverfahren bekommen Sie Klarheit über die tatsächlichen Kenntnisse und Kompetenzen und können möglicherweise eine Stelle intern besetzen.

In unserer Themenreihe zeigen wir Ihnen, wie Sie mit Hilfe der beruflichen Anerkennung versteckte Fachkräftepotenziale in Ihrem Betrieb erfolgreich heben können und lassen Unternehmen zu Wort kommen, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind.

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Wie sieht ein Anerkennungsbescheid aus? Ein Beispiel aus dem Bereich der IHK FOSA.

Nicht nur im Handwerk erhalten immer mehr Unternehmen Bewerbungen mit beigefügtem Anerkennungsbescheid – auch im Bereich der IHK-Betriebe wächst die Zahl der Berufsanerkennungen stetig: Zwischen 2012 und 2016 haben mehr als 86.000 Menschen bei der IHK FOSA, die als Zentralstelle die Anerkennungsprüfung für fast alle Industrie- und Handelskammern durchführt, die Anerkennung ihres ausländischen Berufsabschlusses beantragt¹.

Grund genug, dass wir uns heute einen typischen Anerkennungsbescheid der IHK FOSA einmal näher ansehen wollen.

Die Qualifikationen präzise abbilden

Ebenso wie im Handwerk folgen auch die Anerkennungsbescheide der IHK FOSA einem immer gleichen Grundaufbau, mit dem die individuellen beruflichen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten des bzw. der Antragstellenden präzise angebildet werden:

  • Der Bescheid legt dar, wann und wo der oder die Antragstellende seinen ausländischen Berufsabschluss erworben hat.
  • Er führt einschlägige Berufserfahrungen und zusätzliche Qualifikationsnachweise auf.
  • Wenn es relevante Unterschiede zwischen dem ausländischen Berufsabschluss und dem deutschen Referenzberuf gibt, werden diese detailliert aufgelistet.

Klicken Sie auf die einzelnen Bilder, um sich einen typischen Anerkennungsbescheid im Vollbildmodus erläutern zu lassen.

Anerkennungsbescheid der IHK FOSA (Beispiel)

 

Unser Beispielbescheid stammt von einer Fachkraft, die in Ägypten eine Ausbildung zum Fachinformatiker absolviert hat und bereits über erste einschlägige Berufserfahrung verfügt. Die IHK FOSA bescheinigte der Fachkraft die volle Gleichwertigkeit ihrer Ausbildung mit dem deutschen Referenzberuf.


¹Quelle: IHK FOSA

Wie sieht ein Anerkennungsbescheid aus? Ein Beispiel aus dem Bereich des Handwerks.

Rund 50.000 Menschen haben sich seit Inkrafttreten des Anerkennungsgesetzes 2012 zur Berufsanerkennung bei einer Handwerkskammer beraten lassen¹. Kein Wunder also, dass immer mehr Betriebe Bewerbungen mit einem beigefügten Anerkennungsbescheid erhalten. Doch nicht jeder weiß – wie Arthur Rothermann – auf Anhieb etwas mit dem Dokument anzufangen. Grund genug, dass wir heute mal einen typischen Anerkennungsbescheid einer Handwerkskammer unter die Lupe nehmen wollen.

»Den« Anerkennungsbescheid gibt es nicht.

Ein Anerkennungsbescheid enthält zahlreiche Informationen, so etwa:

  • zur Berufsausbildung: Wann und wo hat die oder der Antragstellende im seinen Berufsabschluss im Ausland erworben? Etc.
  • Angaben zu einschlägiger Berufserfahrung und Qualifikationsnachweisen

Das macht den Anerkennungsbescheid zu einem individuellen Dokument, das die persönlichen Kenntnisse und Fertigkeiten einer Fachkraft präzise abbildet. Im Aufbau aber folgen Anerkennungsbescheide stets der gleichen Grundstruktur. Klicken Sie auf die einzelnen Bilder, um sich einen typischen Anerkennungsbescheid im Vollbildmodus erläutern zu lassen.

Anerkennungsbescheid der Handwerkskammern (Beispiel)

 

In unserem Beispielbescheid geht es um eine Fachkraft, die in Polen eine Ausbildung zum Maler/Tapezierer absolviert hat und bereits über mehrjährige Berufserfahrung verfügt. Da sie mit den eingereichten Unterlagen nicht die volle Gleichwertigkeit ihres Abschlusses mit dem deutschen Referenzberuf belegen konnte, wurde zunächst eine teilweise Gleichwertigkeit beschieden.  Im Rahmen eines Fachgesprächs mit einem Sachverständigen konnte die Fachkraft anschließend die volle Gleichwertigkeit ihrer Qualifikation mit dem deutschen Berufsbild unter Beweis stellen.


¹ Bundesministerium für Bildung und Forschung: Bericht zum Anerkennungsgesetz 2017.

Und es geht doch: Ohne formale Ausbildung zur beruflichen Anerkennung. Das Projekt ValiKom leistet Pionierarbeit

Die Aus- und Weiterbildung ist in Deutschland besonders stark formalisiert. Für Unternehmen bietet das durchaus viele Vorteile: Bewirbt sich eine Fachkraft, können sie anhand der Aus- und Weiterbildungszeugnisse präzise einschätzen, über welche Qualifikationen und Fertigkeiten die Person verfügt.

Die “Zertifikatskultur“ hat jedoch auch ihre Kehrseiten. Wer seine Qualifikationen nicht schriftlich nachweisen kann, hat es auf dem Arbeitsmarkt oft schwer. Das betrifft häufig Migrantinnen und Migranten, die ihre berufliche Qualifikation in einem Land erworben haben, in dem die Berufsbildung weniger formalisiert ist als in Deutschland – und das sind nicht wenige.

In vielen Ländern findet die Ausbildung beispielsweise im Familienbetrieb statt – also auf informellem Weg – oder in privaten Bildungseinrichtungen, die staatlich nicht anerkannt sind (non-formaler Weg). Ein 37-jähriger Syrer zum Beispiel hat sich im elterlichen Betrieb durch »Learning bei Doing« zum Produktdesigner gebildet und war anschließend zehn Jahre in diesem Beruf tätig. Vor zwei Jahren kam er nach Deutschland. Und da er seine Berufserfahrung nicht mit Dokumenten belegen konnte, hatte er anfangs große Schwierigkeiten eine Stelle als Produktdesigner zu bekommen.

Wie können Personen ohne formalen (ausländischen) Berufsabschluss ihre beruflichen Kompetenzen zukünftig anerkennen lassen? Das wird derzeit im Projekt ValiKom erprobt. Das Projektteam hat ein Verfahren entwickelt, mit dem die Handwerkskammern oder Industrie- und Handelskammern sogenannte non-formal und informell erworbene Kompetenzen zertifizieren können.

Mithilfe handlungsorientierter Aufgaben aus dem Berufsalltag können die Fachleute in den Kammern feststellen, inwieweit eine Person über die nötigen beruflichen Kompetenzen verfügt. Berufsexperten und -expertinnen beobachten und bewerten z.B. im Rahmen einer Arbeitsprobe, wie die Person eine Aufgabe ausführt. Alternativ können sie auch ein Fachgespräch führen oder eine Probearbeit in einem Betrieb durchführen lassen. Auch Rollenspiele und Gesprächssimulationen oder Fallstudien können – je nach Beruf und Tätigkeitsbereich – eingesetzt werden.

Am Ende des Verfahrens wird den Teilnehmenden abhängig vom Ergebnis eine volle bzw. teilweise Gleichwertigkeit mit einem Berufsabschluss bescheinigt. Hierfür stellt die Kammer ein entsprechendes Validierungszertifikat aus.

Ein solches Validierungszertifikat hat der bereits erwähnte Syrer kürzlich von seiner Kammer, der IHK Halle-Dessau, erhalten. Nachdem er die zwei Berufsexpertinnen in einer zweitägigen Fremdbewertung von seinem Können überzeugen konnte, wurde ihm die Gleichwertigkeit seiner Kompetenzen mit dem Beruf »Technischer Produktdesigner« formal bescheinigt. Das eröffnet ihm ganz neue Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

Am Verfahren können Personen teilnehmen, die mindestens 25 Jahre alt sind und über Berufserfahrung verfügen, hierfür aber keinen Berufsabschluss vorweisen können. Die Berufserfahrung kann sowohl im In- als auch im Ausland erworben worden sein.

Zielgruppe des Verfahrens, das im Projekt ValiKom entwickelt wurde.

Bereits während der Erprobungsphase des BMBF-geförderten Projekts (März 2017 bis März 2018) können Personen an dem Verfahren teilnehmen. Folgende Kammern sind derzeit an der Erprobung beteiligt und suchen Teilnehmende:

  • Handwerkskammer Dresden
  • Handwerkskammer Hannover
  • Handwerkskammer für München und Oberbayern
  • Handwerkskammer Münster
  • Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau
  • Industrie- und Handelskammer zu Köln
  • Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern
  • Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart

Sie beschäftigen Mitarbeitende, für die eine Teilnahme an dem Verfahren interessant wäre? Dann nehmen Sie bitte Kontakt mit den jeweiligen Ansprechpartner/innen der Kammern auf.

Weitere Informationen zum Verfahren und dem Projekt »ValiKom« erhalten Sie hier:
www.validierungsverfahren.de


Tina Rapp arbeitet beim Westdeutschen Handwerkskammertag. Sie ist Projektleiterin des Projekts »ValiKom«.

ProRecognition: Anerkennungsberatung schon im Herkunftsland

„Ich bin froh, dass ich an der AHK Vietnam sehr umfassend beraten wurde. So konnte ich problemlos meine Zeugnisbewertung in Deutschland machen lassen. Jetzt kann ich mich mit guten Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt bewerben.“
Quoc Dat Nguyen, Softwarentwickler

Beratung schon im Ausland – gute Vorbereitung zahlt sich aus

Herr Ngyen hat alles richtiggemacht. Er hat in Vietnam Informationstechnologie mit dem Schwerpunkt Softwareentwicklung studiert, ist jung und spricht gut Deutsch. Mit seinem abgeschlossenen Studium möchte er unbedingt in Deutschland arbeiten. Deshalb hat er im Dezember 2016 eine Informationsveranstaltung in Ho-Chi-Minh-Stadt besucht, die ProRecognition an der  dortigen Auslandshandelskammer (AHK Vietnam)* angeboten hat. Dort hat er das erste Mal vom Anerkennungsverfahren in Deutschland gehört. Auch, dass er dieses als Drittstaatler zwingend durchlaufen muss, um ein Arbeitsvisum für Deutschland zu erhalten, war für ihn neu. Daher hat er sich im Februar 2017 noch einmal an die Anerkennungsberaterin der AHK Vietnam gewandt, um sich über seine persönlichen Chancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu erkundigen. Sie hat ihm erklärt, dass er seinen Bachelorabschluss bei der Zentralställe für ausländisches Bildungswesen (ZAB) in Bonn bewerten lassen muss und ihm geholfen, die dafür notwendigen Unterlagen zusammenzustellen. Gleichzeitig hat die Beraterin ihm empfohlen, sich im Stellenpool der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) eintragen zu lassen und ihn dabei unterstützt. Ende August hielt Her Nguyen die Zeugnisbewertung in den Händen. Perfekt. Er weiß, dass sein Abschluss für einen potenziellen Arbeitgeber nun gut einzuschätzen ist und seine Chancen, einen Job zu finden, gut sind. Entsprechend selbstbewusst bewirbt er sich inzwischen auch. Wenn er ein Jobangebot hat, wird er die Bluecard beantragen. Das ist die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis der EU für Fachkräfte aus Drittländern, vergleichbar mit der Green Card in den USA – auch das hat ihm die Anerkennungsberaterin bei der AHK erklärt.

Bereit für neue Perspektiven in Deutschland: Quoc Dat Nguyen hat seinen Beruf erfolgreich anerkennen lassen. Sobald er ein Jobangebot erhält, kann er die Bluecard für die Einreise in die EU beantragen.

Pro Recognition bietet in acht AHKs Beratung zur Anerkennung an

Neben Vietnam wurden 2015 auch bei der AHK in Ägypten, China, Iran, Italien, Indien, Marokko und Polen Beratungsstellen eingerichtet. Im Rahmen eines dreijährigen Projekts, das vom BMBF gefördert und vom DIHK umgesetzt wird, wird dort interessierten Menschen Beratung, Begleitung und Unterstützung zu allen Fragen des Anerkennungsverfahrens angeboten. Dazu haben die Anerkennungsberater/innen ein enges Netzwerk zu Institutionen und Organisationen in ihren Herkunftsländern und in Deutschland geknüpft. Inzwischen wurden über 1.600 Personen beraten. Wie viele von diesen genau einen Antrag auf Prüfung der Gleichwertigkeit in Deutschland gestellt haben, lässt sich nicht exakt feststellen. 25 Personen haben inzwischen ihren Gleichwertigkeitsbescheid bzw. die Zeugnisbewertung an die AHK zurückgemeldet.

Immer noch ein langer Weg

So leicht wie bei dem vietnamesischen Softwareentwickler ist der Weg nicht immer. Herr Nguyen hat sich sehr zielstrebig auf Deutschland vorbereitet und während seines Studiums bereits Deutsch gelernt. Inzwischen verfügt er über sehr solide A2-Kenntnisse. Dass man auf dem deutschen Arbeitsmarkt ohne gute Deutschkenntnisse nicht wirklich vorankommt, wird Vielen erst in der Beratung klar. Die Sprachkenntnisse sind von dem eigentlichen Anerkennungsverfahren zwar abgekoppelt, praktisch kann man in vielen Berufen aber nicht arbeiten, wenn man nicht über bestimmte Deutschkenntnisse verfügt. Ohne Sprachkenntnisse gibt es dann keinen Job. Ohne Job keinen Aufenthaltstitel. Und dann?

Qualifizierung vor Ort und in Deutschland

Auch hier helfen die Auslandshandelskammern. Sie halten guten Kontakt zum Goethe-Institut, das Deutschkurse vor Ort anbietet. Mitunter geben sie auch Tipps, mit welcher Qualifizierung aus einer teilweisen Gleichwertigkeit eine volle Gleichwertigkeit gemacht werden kann/welche Qualifizierung man benötigt, um aus einer teilweisen Gleichwertigkeit eine volle Gleichwertigkeit zu machen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, wo man eine solche zu Hause oder in Deutschland beantragen kann und mit welchem Visum man dafür nach Deutschland einreist – diese Fragen beantwortet der/die Berater/In vor Ort.

* Mit AHKs sind hier die deutschen Auslandshandelskammern und Delegationen der Deutschen Wirtschaft gemeint.


Sabine Kotsch ist Projektkoordinatorin beim Projekt ProRecognition.