Wie geht eine zuständige Stelle wie die IHK FOSA eigentlich vor, um die Gleichwertigkeit festzustellen? Ein Blick hinter die Kulissen.

– von Stephan Treu

Seit über fünf Jahren haben Fachkräfte mit einem ausländischen Berufsabschluss die Möglichkeit, ihre berufliche Qualifikation in Deutschland anerkennen zu lassen. Grundlage dafür ist das sogenannte Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz (BQFG). Es ermöglicht, einen ausländischen Berufsabschluss nach einem vorgegebenen Verfahren mit dem entsprechenden deutschen Beruf zu vergleichen. Das Anerkennungsverfahren steht jeder Fachkraft offen, sofern sie einen ausländischen Berufsabschluss erworben hat, wie ihn das BQFG definiert. Der Antrag kann auch aus dem Ausland gestellt werden.  Wie der Vergleich einer ausländischen Ausbildung mit dem deutschen Referenzberuf vorzunehmen ist, legt das BQFG verbindlich fest:

Ausländische Fachkräfte, die ihren Berufsabschluss in Deutschland anerkennen lassen wollen, wenden sich in der Regel an die Kammer oder Behörde, die für die Berufsausbildung bzw. den Berufszugang des jeweiligen deutschen Berufes zuständig ist, mit dem der ausländische Ausbildungsabschluss verglichen werden soll. Ist der ausländische Bildungsabschluss beispielsweise mit einem Aus- oder Fortbildungsabschluss aus den IHK-Bereichen Industrie, Handel, Gastronomie oder Dienstleistungen vergleichbar, übernimmt die IHK FOSA das Feststellungsverfahren. Sie ist als Zusammenschluss von 76 Industrie- und Handelskammern zentral und bundesweit für die Gleichwertigkeitsfeststellung bei IHK-Berufen zuständig. In diesem Jahr blickt die IHK FOSA bereits auf fünf Jahre Erfahrung mit der Anwendung des Anerkennungsgesetzes zurück.

Das Anerkennungsverfahren beginnt immer mit einem Antrag bei der zuständigen Stelle.  Diesem müssen weitere Dokumente beigelegt werden, dazu gehört neben dem ausgefüllten und unterschriebenen Antragsformular insbesondere eine beglaubigte Kopie des Abschlusszeugnisses der Ausbildung. Wichtig ist, dass die Ausbildung im Ausland abgeschlossen und der Berufsabschluss staatlich anerkannt ist.

Die IHK FOSA ist als Zentralstelle von insgesamt 76 Industrie- und Handelskammern für die Berufsanerkennung im IHK-Bereich zuständig.

Nach Eingang des Antrags prüft die zuständige Stelle die Unterlagen auf Vollständigkeit. Fehlen Informationen, erhalten die Antragstellenden einen Brief mit der Bitte, bestimmte Nachweise noch einzureichen. Parallel wird auch der Gebührenbescheid versendet, in dem steht, welche Gebühr für das Verfahren bezahlt werden muss.

Liegen alle für das Verfahren notwendigen Informationen vor, beginnt die zuständige Stelle mit der Gleichwertigkeitsfeststellung, dem Herzstück des Anerkennungsverfahrens: Sie vergleicht die ausländische Berufsqualifikation mit dem deutschen Referenzberuf. Dabei gibt es zwei wichtige Kriterien: die Dauer und der Inhalt der ausländischen Ausbildung im Vergleich zur aktuellen deutschen Ausbildungsordnung.

Ergeben sich dabei keine wesentlichen Unterschiede, liegt eine volle Gleichwertigkeit vor. Bestehen wesentliche Unterschiede, beurteilt die zuständige Stelle im nächsten Schritt, ob diese durch nachgewiesene, einschlägige Berufserfahrung oder mit anderen Nachweisen – beispielsweise über Weiterbildungen – ausgeglichen werden können. Ist dies nicht der Fall, endet die Gleichwertigkeitsfeststellung mit einer teilweisen Gleichwertigkeit. Antragstellende haben dann die Möglichkeit, die Unterschiede durch gezielte Anpassungsqualifizierung (z.B. Praxiszeiten, Berufserfahrung, Weiterbildungen) innerhalb von 5 Jahren nachzuholen und danach einen Folgeantrag zu stellen, um die volle Gleichwertigkeit ihres Abschlusses zu erhalten.

Manchmal besitzen Antragsstellende nicht alle notwendigen Unterlagen und können sie auch nicht neu beschaffen. In diesen Fällen sieht das Anerkennungsgesetz die Möglichkeit einer Qualifikationsanalyse vor: Antragstellende können praktisch (z.B. mittels Fachgespräch, Arbeitsprobe, Probearbeit im Betrieb) nachweisen, dass sie über berufliche Qualifikationen verfügen, die mit einem deutschen Referenzberuf vergleichbar sind.

Wenn das Anerkennungsverfahren abgeschlossen ist, erhalten die Antragsstellenden darüber einen schriftlichen Bescheid. Dieser listet genau auf, welche beruflichen Kompetenzen vorhanden sind und welche gegebenenfalls noch fehlen. Der Bescheid macht das Gesamtprofil der bzw. des Antragstellenden transparent und übersetzt eine ausländische Ausbildung damit in das deutsche duale Ausbildungssystem.

Von der Anerkennung profitieren neben Fachkräften auch Unternehmen, da sie Personalverantwortlichen eine bessere Einschätzung ausländischer Berufsqualifikationen ermöglicht: Ein Bescheid über die Gleichwertigkeitsfeststellung trägt dazu bei, im Unternehmen vorhandene Potenziale zu heben und Fachkräfte aus dem Ausland zu gewinnen. Auch für gezielte Weiterbildungen kann der Bescheid als Grundlage dienen.


Stephan Treu ist Kommunikationsreferent bei der IHK FOSA.