Geflüchtete beschäftigen: So wird die Integration zum Erfolg!

– von Constantin Bräunig

Dieser Artikel ist die inhaltliche Fortsetzung des Beitrags „Geflüchtete einstellen: So gelingt der Einstieg!“ , der in der vergangenen Woche in diesem Blog erschienen ist.

Während es in diesem ersten Artikel um die Fragen ging, welche juristischen Rahmenbedingungen es für die Beschäftigung Geflüchteter gibt, wie Unternehmen mit Geflüchteten in Kontakt kommen und wie sie deren Kompetenzen einschätzen können, steht in unserem heutigen heutigen Beitrag die Beschäftigung Geflüchteter im betrieblichen Alltag im Fokus:

  • Was bedeutet Integration im Arbeitsalltag und welchen Wert hat Diversität für Unternehmen?
  • Welche Fördermöglichkeiten für die Arbeitsmarktintegration Geflüchteter gibt es für Unternehmen und für die Geflüchteten selbst?
  • Wo finden Unternehmen Unterstützungsangebote für die praktische Alltagsarbeit mit Geflüchteten?

Was bedeutet Integration im Arbeitsalltag?

Integration in den Arbeitsalltag ist weit mehr als die Unterzeichnung des Arbeitsvertrags, die Einarbeitung in Arbeitsabläufe oder auch das gemeinsame Essen in der Betriebskantine. Einerseits geht es darum, die Regeln im Betrieb zu lernen und zu leben: Ob es um Pünktlichkeit geht, um gegenseitige respektvolle Behandlung oder aber um konkrete Arbeitsschutzmaßnahmen. Formelle und informelle Regeln gelten allgemeingültig für alle im Unternehmen. Andererseits ist es wichtig, die Vielfalt im Betrieb sowie die individuellen Kenntnisse, Kompetenzen und kulturellen Hintergründe der Mitarbeiter zu nutzen. Das ist übrigens durchaus im Sinne des Unternehmens: Viele Studien zeigen, dass sich ein gutes Diversity Management positiv auswirkt. Unternehmen, die auf Vielfalt setzen, erschließen leichter neue Kundengruppen und haben ein positiveres Image. Eine Unternehmenskultur, die eine vielfältige Belegschaft begrüßt, stärkt die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Dabei ist es besonders wichtig, offen miteinander zu kommunizieren und mögliche Missverständnisse im Vorfeld auszuräumen. Das können einfache Begriffe wie „Mahlzeit“ sein, die man im Deutschkurs nicht lernt oder aber grundlegendere Sachen, dass beispielsweise das Vermeiden von Blickkontakt kein Zeichen von Respektlosigkeit ist, sondern in den Herkunftsländern das Gegenteil bedeuten kann. Hier ist es oft hilfreich, mit interkulturellen Trainings die Belegschaft für das Thema zu sensibilisieren.

Welche Fördermöglichkeiten gibt es für Unternehmen und Geflüchtete?

Betrieben, die Geflüchtete beschäftigen oder ausbilden möchten, stehen eine Reihe an staatlichen Förder- und Unterstützungsmaßnahmen zur Verfügung. Diese sind dabei keineswegs neu, sondern oftmals schon länger etabliert und zumeist nicht nur für Geflüchtete gedacht.

Bei der regulären Beschäftigung von Geflüchteten können Unternehmen beispielsweise mit der Maßnahme bei einem Arbeitgeber (MAG) Kompetenzen der Geflüchteten feststellen lassen.

Der Eingliederungszuschuss (EGZ) ist ein finanzieller Zuschuss zum Arbeitsentgelt für den Arbeitgeber, der auch für Geflüchtete beantragt werden kann, sollten beispielsweise noch zusätzliche Sprachkurse finanziert werden müssen, bevor der neue Arbeiternehmer oder die neue Arbeitnehmerin voll einsatzfähig ist.

Auch eine geförderte Weiterbildung der Geflüchteten ist im Rahmen des WEGebAU-Programms in einem Betrieb möglich. Auch hier gehört u.a. ein Arbeitsentgeltzuschuss zu den Leistungen.

Infografik: Fördermöglichkeiten für die Ausbildung Geflüchteter

Geflüchtete mit einem Ausbildungsplatz können auf die allgemein bekannten Fördermaßnahmen wie ausbildungsbegleitende Hilfen (abH), Assistierte Ausbildung (AsA) und die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) zurückgreifen. Einschränkungen gibt es hier ggf. durch den Aufenthaltsstatus und die Bleibeperspektive der Person (s. Infografik).

Mit einer Einstiegsqualifizierung (EQ) können die Flüchtlinge außerdem sehr gut auf eine Ausbildung vorbereitet werden – dieses Mittel hat sich in der Praxis inzwischen sehr bewährt.

Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.nuif.de/foerderung.

Welche Unterstützungsangebote gibt es für den Arbeitsalltag?

Für die zu uns gekommenen Menschen sind viele Abläufe innerhalb und außerhalb des Betriebs oft Neuland und sehr fremd. Deshalb ist es wichtig, Sie auch hier zu unterstützen. Behördengänge, Krankenversicherung und viel Papierkram in einer fremden Sprache überwältigen die Geflüchteten oft. Hier können Betriebe unterstützen, indem man Anträge gemeinsam bearbeitet oder bei der Wohnungssuche geholfen wird.

In der Ausbildung können Auszubildende aus höheren Lehrjahren auch als Nachhilfelehrer fungieren und so nicht nur den neuen Auszubildenden helfen, sondern auch selbst erstmals Verantwortung für andere übernehmen und daran wachsen. Dies hat die Praxis mit Patenprogrammen von Unternehmen in unserem NETZWERK gezeigt.

Nicht selten haben die Menschen in Ihren Heimatländern oder auf der Flucht schreckliche Dinge erlebt, die sie stark belasten. Hier kann psychologische Hilfe vonnöten sein. Mögliche Ansprechpartner finden Sie beispielsweise auf unserer Webseite unter www.nuif.de/unterstuetzung. In unserem letzten Webinar wurde der Umgang mit Traumata ebenfalls thematisiert. Die Aufzeichnung können Sie als eingeloggtes NETZWERK-Mitglied unter www.nuif.de/webinare ebenfalls abrufen.


Constantin Bräunig ist Referent im NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Das NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge ist eine bundesweite Initiative, die ihre Mitglieder bei der Integration Geflüchteter unterstützt. Neben der Bereitstellung vielfältiger Informations- und Beratungsangebote fördert das Netzwerk dazu auch die Vernetzung und Kooperation engagierter Unternehmen.

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