Von gegenseitigem Respekt und verdienter Anerkennung

Kfz-Handwerk – das sind nicht nur die Glaspaläste der großen Autohäuser, die die Einfallsstraßen vieler deutscher Großstädte säumen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Tankstelle mit Reparaturwerkstatt auf dem Land oder der kleine Kfz-Betrieb zu Hause um die Ecke. Oftmals wird in diesen freien Werkstätten noch das klassische Kfz-Handwerk gelebt, wird nicht nur ausgetauscht, sondern wenn möglich repariert. So wie bei Monika und Hartmut Henning im bergischen Velbert.

– aus der „Werkstatt 2017“, Handwerkskammer Düsseldorf

Der siebzigjährige Kfz-Meister und seine Frau führen hier seit vielen Jahren ihr eigenes Geschäft, den „Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning“. Beide in einem Alter, in dem andere sich längst aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, sind die Hennings auch weiterhin für ihre Stammkunden da.

Aufhören kommt für Hartmut Henning aber nicht in Frage! Seit über 40 Jahren ist er im Beruf, und das immer noch voller Begeisterung. In seinem langen Berufsleben hat er nicht nur Kraftfahrzeuge aller Art, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Couleur kennengelernt. Er weiß daher, wie schwer es ist, gute Gesellen zu finden, die auch die nötige Motivation mitbringen. Zu oft fehle ihm bei den jungen Leuten die Leidenschaft für den Beruf, so Henning.

Gesucht: Mitarbeiter mit „Rundum-Kenntnissen“

Das Glück des Tüchtigen: Mit viel Eigeninitiative fand Hossein Gohari in Deutschland schnell eine Arbeitsstelle in seinem erlernten Beruf.

Lange war Kfz-Meister Hartmut Henning deshalb schon auf der Suche nach einem passenden Mitarbeiter für den kleinen Betrieb. Durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung kann er die verschiedensten handwerklichen Dienstleistungen für alle Arten von Kraftfahrzeugen anbieten. Daher wünschte er sich als Unterstützung eine Fachkraft, die ebenfalls über sehr breite Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Genau dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil hatte er im Hinterkopf, als sich vor gut eineinhalb Jahren ein junger Mann aus dem Iran bei ihm vorstellte und in gebrochenem Deutsch nach einer Anstellung als Kfz-Mechatroniker fragte.

Hossein Moshaadaeh Gohari ist zu diesem Zeitpunkt erst seit gut zwei Wochen in Deutschland. Der Liebe wegen hatte es ihn ins Bergische verschlagen. Die Familie seiner Frau lebt in Velbert. Nun will er unbedingt arbeiten. Und das in seinem erlernten Beruf und nicht als Hilfsarbeiter in der Fabrik, wie ihm dies die örtliche Arbeitsagentur vorschlug. Auf eigene Faust beginnt er, sich bei den Kfz-Werkstätten in der Umgebung persönlich vorzustellen und seine Bewerbungsunterlagen zu verteilen – so auch beim Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning. Hier erkannte man schnell das Potential des jungen Iraners.

Ein Bewerber mit viel Eigeninitiative

Die Bewerbungsunterlagen und der vielseitige berufliche Lebenslauf des 28-Jährigen weckten sofort das Interesse des erfahrenen Kfz-Meisters. Dieser positive erste Eindruck bestätigte sich bei einem Probearbeitstag. Um die iranische Fachkraft noch besser kennenzulernen, bot Hartmut Henning ihm nun ein zweiwöchiges Praktikum an.

Monika Hennings anfängliche Zweifel, wie das mit so geringen Sprachkenntnissen in der Werkstatt funktionieren könnte, stellten sich schnell als unbegründet heraus. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, und die Deutschkenntnisse wurden von Tag zu Tag besser. Und was noch wichtiger war: Sowohl fachlich als auch auf der menschlichen Ebene überzeugte der junge Migrant seinen deutschen Arbeitgeber voll und ganz. Nach zwei Wochen stand deshalb fest, dass er der gesuchte neue Mitarbeiter ist: „Hossein Gohari bringt das Wissen und all die Eigenschaften mit, die ich mir von einem Mitarbeiter immer gewünscht habe. Er ist nett, immer höflich, hat noch keinen Tag gefehlt und beherrscht vor allem noch das Reparieren.“

Chefin Monika Henning ist zufrieden: Ihr Kfz-Meisterbetrieb hat mit Hossein Gohari den idealen Mitarbeiter gefunden.

Auch Monika Henning ist voll des Lobes für den zurückhaltenden und sympathischen jungen Kfz-Fachmann. Dass man sich gut versteht, ist gerade für eine kleine Werkstatt wichtig, die in erster Linie von ihrer Stammkundschaft und Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Und wer Verkaufsraum oder Werkstatt betritt, merkt das sofort. Im Iran geboren und aufgewachsen, absolvierte Hossein Gohari dort zunächst drei Jahre die technische Oberschule und besuchte dann zwei Jahre lang eine technische Berufsfachschule. Damit verfügte er über ein breites – insbesondere theoretisches – Wissen im Bereich Kfz-Mechatronik. Die praktische Berufserfahrung erlangte er vor allem über seine Arbeit bei Vertragswerkstätten von Peugeot, Hyundai und KIA Motors im Iran.

Vor vier Jahren verließ Hossein Gohari seine Heimat, um im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn in die Ukraine, wo er bei einer Toyota-Vertragswerkstatt tätig war. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er dann nach Deutschland kam. Auch in der neuen Heimat war es von Beginn an seine oberste Priorität, wieder als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Schon während Hossein Gohari sein Praktikum im Betrieb machte, erkundigte sich Hartmut Henning nach einer Möglichkeit, dessen iranische Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Für den Kfz-Meister war es wichtig, eine offizielle Bestätigung zu haben, dass die Qualifikationen seines neuen Mitarbeiters den deutschen Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker auf Gesellenebene entsprechen. Er wandte sich deshalb an die Kreishandwerkerschaft Mettmann, um zu erfahren, wer der richtige Ansprechpartner für ihn sei. Diese verwies ihn an die Handwerkskammer Düsseldorf, seit Inkrafttreten des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ Anfang 2012 zuständige Stelle für Anerkennungsverfahren. Seinen Mitarbeiter motivierte der Kfz-Meister daraufhin, einen Antrag zu stellen, und rüstete ihn gleich mit einem ausführlichen Arbeitszeugnis aus.

Volle Gleichwertigkeit

Von seinem Geburtsort Teheran führte den jungen Iraner sein Weg über die Ukraine ins bergische Velbert.

Der Iraner nahm den Ball auf und stellte bei der Handwerkskammer Düsseldorf eigenständig einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsabschlüsse. Begleitet und unterstützt von der Anerkennungsberatung der Kammer, verlief das Verfahren unkompliziert, und Hossein Gohari wurde nach kurzer Zeit die „volle Gleichwertigkeit“ seiner fachlichen Kenntnisse mit dem deutschen Gesellenbrief bescheinigt. Die volle Anerkennung seiner iranischen Berufsqualifikationen zu erhalten, war nicht nur für Gohari selbst eine wichtige Bestätigung. Auch Hartmut Henning resümiert: „Ich würde das Anerkennungsverfahren jedem Betrieb, der Mitarbeiter hat oder Bewerber einstellen möchte, die ihre Berufsausbildung im Ausland durchlaufen haben, uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Das Anerkennungsverfahren verschafft sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Klarheit darüber, wie die ausländischen Qualifikationen zu bewerten sind. Läuft es optimal, wie im Fall von Hossein Gohari, liegen die Vorteile für alle Seiten auf der Hand: Festanstellung mit der Sicherheit eines qualifizierten Abschlusses, Weiterbildungs- und Aufstiegsperspektiven für den Arbeitnehmer, Fachkräfte- und Nachwuchssicherung für den Unternehmer. Der Kfz-Meister aus Velbert jedenfalls ist hochzufrieden mit seiner neuen Fachkraft und unterstützt ihn daher auch beim nächsten Schritt, der nach der Anerkennung nun möglich ist: die Fortbildung zum Meister.

Voller Tatendrang besucht Hossein Gohari seit Januar 2017 die Meisterschule in Abendform und arbeitet natürlich auch weiter hart an seinen Deutschkenntnissen.


Titelbild: Hossein Moshaadaeh Gohari in der Werkstatt des Kfz-Meisterbetriebs Monika Henning.

Bildrechte (alle Bilder): Handwerkskammer Düsseldorf

In 4 Schritten verborgene Fachkräftepotenziale heben

In vielen Betrieben „schlummern“ verborgene Fachkräftepotenziale: Beschäftigte, die im Ausland eine Berufsausbildung absolviert, sie aber bisher nicht anerkennen lassen haben. Wir zeigen Ihnen, wie Sie diese „verborgenen Schätze“ in 4 einfachen Schritten heben können.

Schritt 1: Bestandsaufnahme machen

Sie vermuten, dass der ein oder die andere Ihrer Mitarbeitenden über einen bisher nicht anerkannten ausländischen Berufsabschluss verfügt? Dann lohnt sich im ersten Schritt ein Blick in die Personalakte. Oft finden sich hier bereits entsprechende Qualifikationsnachweise.

Es kommt jedoch auch vor, dass Mitarbeitende bei ihrer Bewerbung nicht alle Qualifikationsnachweise einreichen, z.B. weil sie denken, dass ihr fremdsprachiges Zeugnis in Deutschland wertlos sei. Fragen Sie die Person in einem persönlichen Gespräch direkt nach möglichen Qualifikationen.

 

Schritt 2: Vorbereitungen treffen

Wenn eine Mitarbeiterin bzw. ein Mitarbeiter über nicht anerkannte ausländischen Berufsqualifikationen verfügt  und Sie sich vorstellen können, sie als anerkannte Fachkraft in ihrem Beruf zu beschäftigen, stellen sich folgende Fragen:

  • Wie funktioniert die berufliche Anerkennung?
  • Wer ist zuständig?
  • Wie lange dauert das Verfahren und was kostet es?
  • Welche Dokumente und Nachweise werden benötigt?

Hierbei können Ihnen unsere Informationsbroschüren für Handwerks– und für IHK-Betriebe helfen.

Es ist außerdem sinnvoll, sich schon im Vorfeld des Gespräches Gedanken darüber zu machen, ob und wie Sie die Person im Rahmen der Berufsanerkennung unterstützen möchten bzw. können (z.B. Freistellung, Begleitung zu Terminen, Finanzierungshilfe).

Schritt 3: Das Gespräch suchen

Wenn diese Fragen geklärt sind, ist es Zeit, das direkte Gespräch mit der Person zu suchen. Darin sollten Sie einerseits vermitteln, welche Ziele Sie selbst mit der beruflichen Anerkennung verbinden (z.B. Einsatz als qualifizierte Fachkraft), andererseits aber auch verdeutlichen, welche Chancen das für Ihren Mitarbeiter bzw. Ihre Mitarbeitern bietet (z.B. neue, verantwortungsvollere Tätigkeiten, eine bessere Bezahlung und/oder Aufstiegsperspektiven). Fragen Sie auch nach den Erwartungen des Mitarbeitenden und machen Sie klar, welche Erwartungen Sie erfüllen können und welche nicht.

Es ist gut möglich, dass die Person im Gespräch zum ersten Mal von der Berufsanerkennung hört. Vielleicht hat sie direkt ein „Prüfungsszenario“ im Kopf und reagiert im ersten Moment eher zurückhaltend. Darum signalisieren Sie am besten gleich Ihre Unterstützung, beispielsweise beim Ausfüllen von Formularen oder beim Zusammentragen von Unterlagen. So machen Sie deutlich, dass Sie Ihrer Mitarbeiterin bzw. ihrem Mitarbeiter im Anerkennungsverfahren zur Seite stehen.

4. Einen Erstberatungstermin vereinbaren

Nach dem Gespräch sollten Sie der Person erst einmal Gelegenheit haben, sich das Angebot durch den Kopf gehen lassen. Vereinbaren Sie am besten direkt ein Folgegespräch innerhalb der nächsten 14 Tage.

Willigt die Person im Folgegespräch ein, ihren Berufsabschluss anerkennen zu lassen, empfehlen wir Ihnen, einen gemeinsamen Termin bei einer sogenannten Anerkennungsberatung zu vereinbaren. Eine Übersicht über die verschiedenen Anbieter haben wir hier für Sie zusammengestellt.

Im Erstberatungstermin klären Sie, welche Unterlagen benötigt und die nächsten Schritte aussehen werden. Anschließend stellen Sie den Antrag und der Prozess beginnt. Die Fachleute der Beratungsstellen stehen Ihnen auch dann mit Rat und Tat zur Seite und helfen, Ihre Mitarbeiterin bzw. Ihren Mitarbeiter auf seinem Weg zur neuen Fachkraft in Ihrem Unternehmen zu begleiten.

3 Gründe im eigenen Betrieb nach verborgenen Fachkräftepotenzialen zu suchen

Für viele Unternehmen wird es zunehmend schwerer, ihren Fachkräftebedarf zu decken. Gleichzeitig arbeiten viele ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer unterhalb ihres Qualifikationsniveaus, obwohl sie über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen. Die Berufsanerkennung kann dabei helfen, diese versteckten Fachkräftepotenziale sicht- und nutzbar zu machen.

3 Gründe, warum es sich für Unternehmen lohnt, hier genauer hinzusehen:

1.  Die Berufsanerkennung ist kosteneffizient

Von der Ausschreibung bis zur Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters bzw. einer neuen Mitarbeiterin in einer mittleren Einkommensklasse investieren Unternehmen durchschnittlich rund 23.000 Euro. Das Anerkennungsverfahren ist deutlich preiswerter zu haben, selbst wenn zu den Gebühren (100 bis 600 Euro) weitere Kosten für Übersetzungen oder ähnliches hinzukommen. Seit November 2016 besteht zudem in vielen Fällen die Möglichkeit, einen Teil der Kosten über den Anerkennungszuschuss des Bundes abzudecken.

2. Der Betrieb kennt die Fachkraft bereits – und die Fachkraft den Betrieb

Wenn Unternehmen eine neue Fachkraft einstellen, erhalten sie lediglich einen ersten Eindruck der Person. Wichtige Faktoren wie die persönliche Einsatzbereitschaft, die Teamfähigkeit und die sogenannten „Soft Skills“ lassen sich meist erst später beurteilen. Aber auch die Fachkraft kann im Regelfall erst weit nach Ihrer Einstellung sicher sagen, ob sie sich an ihrem neuen Arbeitsplatz wirklich wohl fühlt und bereit ist, sich längerfristig an den Betrieb zu binden. Anders verhält es sich bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits im Betrieb arbeiten: Sie kennen den Betrieb bereits  und der Betrieb kennt sie!

3. Berufsanerkennung ist immer auch Mitarbeiterbindung

Rund 90 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist es sehr wichtig , dass ihre beruflichen Fähigkeiten angemessen genutzt werden¹. Wenn Sie Ihren Beschäftigten durch die Berufsanerkennung ermöglichen, ihr Fachkräftepotenzial zu entfalten, ist das auch ein Zeichen der Wertschätzung und trägt so zur Mitarbeiterbindung bei!


¹ Quelle: Freiburger Forschungsstelle für Arbeitswissenschaften (FFAW)

Themenreihe: „Verborgene Fachkräftepotenziale im eigenen Betrieb aufspüren“

Bewerbungsverfahren kosten viel Zeit und Geld und führen trotzdem nicht immer zum gewünschten Erfolg. Andererseits arbeiten in vielen Firmen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Ausland in Helfertätigkeiten, obwohl sie über Fachabschlüsse aus ihren Herkunftsländern verfügen. Es lohnt sich deshalb genauer hinzusehen, ob Beschäftigte solche »verborgenen« Qualifikationen besitzen. Durch ein berufliches Anerkennungsverfahren bekommen Sie Klarheit über die tatsächlichen Kenntnisse und Kompetenzen und können möglicherweise eine Stelle intern besetzen.

In unserer Themenreihe zeigen wir Ihnen, wie Sie mit Hilfe der beruflichen Anerkennung versteckte Fachkräftepotenziale in Ihrem Betrieb erfolgreich heben können und lassen Unternehmen zu Wort kommen, die diesen Weg bereits erfolgreich gegangen sind.

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