Was war 2017? Was kommt 2018? Jahresrückblick und -vorschau von »Unternehmen Berufsanerkennung«

Das Jahresende ist stets ein guter Anlass, um zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Durch die politische Brille betrachtet, mag die Jahresbewertung nicht ganz so gut ausfallen, aus der Warte von „Unternehmen Berufserkennung“ war 2017 jedoch ein so erfreuliches wie erfolgreiches Jahr, das Lust macht auf das Kommende.

Im Rückblick haben wir die Highlights des Jahres für Sie zusammengefasst. Dazu zählen unter anderem der Unternehmenspreis „Wir für Anerkennung“ und die Wanderausstellung „Unternehmen Berufsanerkennung“. Beides werden wir im kommenden Jahr fortführen bzw. neu auflegen.

Was noch ansteht im dritten Projektjahr erfahren Sie in unserem Ausblick.

Was war? Unser Rückblick auf 2017

Zu Beginn des Jahres 2017 ging der Unternehmenswegweiser online. Er führt Sie auf der Suche nach Fachkräften aus dem Ausland zu den passenden Unterstützungsangeboten.

Anschließend haben wir die berufliche Anerkennung für Sie ins Bewegtbild gesetzt: In vier Kurzfilmen und einem Animationsfilm erzählen Unternehmen und Fachkräfte den Weg von der Erstberatung über die Qualifikationsanalyse und Anpassungsqualifizierung bis zur vollen Anerkennung.

Kaum waren die Geschichten im Kasten, ging es weiter mit dem Unternehmenspreis »Wir für Anerkennung«, dessen vier Preisträger im Juni 2017 von Bundesbildungsministerin Prof. Dr. Johanna Wanka und den Präsidenten der beiden deutschen Wirtschaftsverbände Dr. Eric Schweitzer (DIHK) Hans Peter Wollseifer (ZDH) gewürdigt wurden.

Am Tag der Preisverleihung wurde zudem die Ausstellung »Unternehmen Berufsanerkennung« eröffnet, die seither durch Deutschlands Kammerwelt tourt.

Parallel zu all diesen Aktivitäten haben wir Unternehmen telefonisch über die Möglichkeiten und Chancen der beruflichen Anerkennung informiert.

Was wird? Ein Ausblick auf 2018

Blickt man auf das neue Jahr, tauchen viele Fragen auf: Wer wird die Regierungsgeschäfte übernehmen? Wie werden die Ministerien zugeschnitten und die politische Agenda aussehen?

Für »Unternehmen Berufsanerkennung« sieht die Lage deutlich klarer aus.

Besonders freut uns, dass das BMBF, der DIHK und ZDH auch 2018 Betriebe und Organisationen für ihr Engagement im Bereich der beruflichen Anerkennung würdigen wollen und den Unternehmenspreis »Wir für Anerkennung« erneut ausloben.

Die Wanderausstellung wird 2018 in vielen weiteren Kammerregionen zu sehen sein und unser Webinarprogramm hält auch im kommenden Jahr wieder viele spannende Themen für Sie bereit.

Auf unserem Blog, auf Twitter und auf Facebook werden wir weiterhin über die Chancen und Möglichkeiten der beruflichen Anerkennung erzählen und sicher wird es auch noch die ein oder andere Überraschung geben – für Sie und für uns.

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Von gegenseitigem Respekt und verdienter Anerkennung

Kfz-Handwerk – das sind nicht nur die Glaspaläste der großen Autohäuser, die die Einfallsstraßen vieler deutscher Großstädte säumen. Es geht auch eine Nummer kleiner. Die Tankstelle mit Reparaturwerkstatt auf dem Land oder der kleine Kfz-Betrieb zu Hause um die Ecke. Oftmals wird in diesen freien Werkstätten noch das klassische Kfz-Handwerk gelebt, wird nicht nur ausgetauscht, sondern wenn möglich repariert. So wie bei Monika und Hartmut Henning im bergischen Velbert.

– aus der „Werkstatt 2017“, Handwerkskammer Düsseldorf

Der siebzigjährige Kfz-Meister und seine Frau führen hier seit vielen Jahren ihr eigenes Geschäft, den „Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning“. Beide in einem Alter, in dem andere sich längst aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, sind die Hennings auch weiterhin für ihre Stammkunden da.

Aufhören kommt für Hartmut Henning aber nicht in Frage! Seit über 40 Jahren ist er im Beruf, und das immer noch voller Begeisterung. In seinem langen Berufsleben hat er nicht nur Kraftfahrzeuge aller Art, sondern auch Mitarbeiter unterschiedlichster Couleur kennengelernt. Er weiß daher, wie schwer es ist, gute Gesellen zu finden, die auch die nötige Motivation mitbringen. Zu oft fehle ihm bei den jungen Leuten die Leidenschaft für den Beruf, so Henning.

Gesucht: Mitarbeiter mit „Rundum-Kenntnissen“

Das Glück des Tüchtigen: Mit viel Eigeninitiative fand Hossein Gohari in Deutschland schnell eine Arbeitsstelle in seinem erlernten Beruf.

Lange war Kfz-Meister Hartmut Henning deshalb schon auf der Suche nach einem passenden Mitarbeiter für den kleinen Betrieb. Durch seine jahrzehntelange Berufserfahrung kann er die verschiedensten handwerklichen Dienstleistungen für alle Arten von Kraftfahrzeugen anbieten. Daher wünschte er sich als Unterstützung eine Fachkraft, die ebenfalls über sehr breite Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt. Genau dieses anspruchsvolle Anforderungsprofil hatte er im Hinterkopf, als sich vor gut eineinhalb Jahren ein junger Mann aus dem Iran bei ihm vorstellte und in gebrochenem Deutsch nach einer Anstellung als Kfz-Mechatroniker fragte.

Hossein Moshaadaeh Gohari ist zu diesem Zeitpunkt erst seit gut zwei Wochen in Deutschland. Der Liebe wegen hatte es ihn ins Bergische verschlagen. Die Familie seiner Frau lebt in Velbert. Nun will er unbedingt arbeiten. Und das in seinem erlernten Beruf und nicht als Hilfsarbeiter in der Fabrik, wie ihm dies die örtliche Arbeitsagentur vorschlug. Auf eigene Faust beginnt er, sich bei den Kfz-Werkstätten in der Umgebung persönlich vorzustellen und seine Bewerbungsunterlagen zu verteilen – so auch beim Kfz-Meisterbetrieb Monika Henning. Hier erkannte man schnell das Potential des jungen Iraners.

Ein Bewerber mit viel Eigeninitiative

Die Bewerbungsunterlagen und der vielseitige berufliche Lebenslauf des 28-Jährigen weckten sofort das Interesse des erfahrenen Kfz-Meisters. Dieser positive erste Eindruck bestätigte sich bei einem Probearbeitstag. Um die iranische Fachkraft noch besser kennenzulernen, bot Hartmut Henning ihm nun ein zweiwöchiges Praktikum an.

Monika Hennings anfängliche Zweifel, wie das mit so geringen Sprachkenntnissen in der Werkstatt funktionieren könnte, stellten sich schnell als unbegründet heraus. Die Verständigung klappte mit Händen und Füßen, und die Deutschkenntnisse wurden von Tag zu Tag besser. Und was noch wichtiger war: Sowohl fachlich als auch auf der menschlichen Ebene überzeugte der junge Migrant seinen deutschen Arbeitgeber voll und ganz. Nach zwei Wochen stand deshalb fest, dass er der gesuchte neue Mitarbeiter ist: „Hossein Gohari bringt das Wissen und all die Eigenschaften mit, die ich mir von einem Mitarbeiter immer gewünscht habe. Er ist nett, immer höflich, hat noch keinen Tag gefehlt und beherrscht vor allem noch das Reparieren.“

Chefin Monika Henning ist zufrieden: Ihr Kfz-Meisterbetrieb hat mit Hossein Gohari den idealen Mitarbeiter gefunden.

Auch Monika Henning ist voll des Lobes für den zurückhaltenden und sympathischen jungen Kfz-Fachmann. Dass man sich gut versteht, ist gerade für eine kleine Werkstatt wichtig, die in erster Linie von ihrer Stammkundschaft und Mund-zu-Mund-Propaganda lebt. Und wer Verkaufsraum oder Werkstatt betritt, merkt das sofort. Im Iran geboren und aufgewachsen, absolvierte Hossein Gohari dort zunächst drei Jahre die technische Oberschule und besuchte dann zwei Jahre lang eine technische Berufsfachschule. Damit verfügte er über ein breites – insbesondere theoretisches – Wissen im Bereich Kfz-Mechatronik. Die praktische Berufserfahrung erlangte er vor allem über seine Arbeit bei Vertragswerkstätten von Peugeot, Hyundai und KIA Motors im Iran.

Vor vier Jahren verließ Hossein Gohari seine Heimat, um im Ausland Berufserfahrungen zu sammeln. Sein Weg führte ihn in die Ukraine, wo er bei einer Toyota-Vertragswerkstatt tätig war. Hier lernte er seine Frau kennen, mit der er dann nach Deutschland kam. Auch in der neuen Heimat war es von Beginn an seine oberste Priorität, wieder als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten. Schon während Hossein Gohari sein Praktikum im Betrieb machte, erkundigte sich Hartmut Henning nach einer Möglichkeit, dessen iranische Berufsabschlüsse anerkennen zu lassen. Für den Kfz-Meister war es wichtig, eine offizielle Bestätigung zu haben, dass die Qualifikationen seines neuen Mitarbeiters den deutschen Anforderungen an einen Kfz-Mechatroniker auf Gesellenebene entsprechen. Er wandte sich deshalb an die Kreishandwerkerschaft Mettmann, um zu erfahren, wer der richtige Ansprechpartner für ihn sei. Diese verwies ihn an die Handwerkskammer Düsseldorf, seit Inkrafttreten des sogenannten „Anerkennungsgesetzes“ Anfang 2012 zuständige Stelle für Anerkennungsverfahren. Seinen Mitarbeiter motivierte der Kfz-Meister daraufhin, einen Antrag zu stellen, und rüstete ihn gleich mit einem ausführlichen Arbeitszeugnis aus.

Volle Gleichwertigkeit

Von seinem Geburtsort Teheran führte den jungen Iraner sein Weg über die Ukraine ins bergische Velbert.

Der Iraner nahm den Ball auf und stellte bei der Handwerkskammer Düsseldorf eigenständig einen Antrag auf Anerkennung seiner Berufsabschlüsse. Begleitet und unterstützt von der Anerkennungsberatung der Kammer, verlief das Verfahren unkompliziert, und Hossein Gohari wurde nach kurzer Zeit die „volle Gleichwertigkeit“ seiner fachlichen Kenntnisse mit dem deutschen Gesellenbrief bescheinigt. Die volle Anerkennung seiner iranischen Berufsqualifikationen zu erhalten, war nicht nur für Gohari selbst eine wichtige Bestätigung. Auch Hartmut Henning resümiert: „Ich würde das Anerkennungsverfahren jedem Betrieb, der Mitarbeiter hat oder Bewerber einstellen möchte, die ihre Berufsausbildung im Ausland durchlaufen haben, uneingeschränkt weiterempfehlen.“

Das Anerkennungsverfahren verschafft sowohl Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern Klarheit darüber, wie die ausländischen Qualifikationen zu bewerten sind. Läuft es optimal, wie im Fall von Hossein Gohari, liegen die Vorteile für alle Seiten auf der Hand: Festanstellung mit der Sicherheit eines qualifizierten Abschlusses, Weiterbildungs- und Aufstiegsperspektiven für den Arbeitnehmer, Fachkräfte- und Nachwuchssicherung für den Unternehmer. Der Kfz-Meister aus Velbert jedenfalls ist hochzufrieden mit seiner neuen Fachkraft und unterstützt ihn daher auch beim nächsten Schritt, der nach der Anerkennung nun möglich ist: die Fortbildung zum Meister.

Voller Tatendrang besucht Hossein Gohari seit Januar 2017 die Meisterschule in Abendform und arbeitet natürlich auch weiter hart an seinen Deutschkenntnissen.


Titelbild: Hossein Moshaadaeh Gohari in der Werkstatt des Kfz-Meisterbetriebs Monika Henning.

Bildrechte (alle Bilder): Handwerkskammer Düsseldorf

Der Berufsanerkennung die Komplexität nehmen: Warum sich das Erstberatungsgespräch lohnt

Wer sich für die berufliche Anerkennung interessiert, kann vom Angebot eines kostenlosen Erstberatungsgesprächs Gebrauch machen – beispielsweise bei seiner Kammer vor Ort.

Im Interview mit »Unternehmen Berufsanerkennung« erzählen Christiane Philipp (Anerkennungsberaterin bei der Handwerkskammer Erfurt) und Alexander Friedrich (Anerkennungsberater bei der IHK Nürnberg für Mittelfranken), warum es sich für Anerkennungssuchende und Unternehmen lohnt, eine Erstberatung in Anspruch zu nehmen.

Herr Friedrich, Frau Philipp, Sie sind als Anerkennungsberater auch für die Erstberatungsgespräche in ihren jeweiligen Kammern zuständig. Worum geht es in der Erstberatung?

Alexander Friedrich: In der Erstberatung prüfen wir zunächst, ob es sich um einen Beruf im Zuständigkeitsbereich der IHKs handelt oder ob beispielsweise die Kollegen von der Handwerkskammer zuständig sind. Wenn es sich um einen IHK-Beruf handelt, wird gemeinsam geprüft, welche Berufsbiographie – Ausbildung, Berufserfahrung, Weiterbildung – der Antragsteller hat und welcher deutsche Referenzberuf für eine Gleichwertigkeitsprüfung in Betracht kommt. Außerdem werden die Ratsuchenden beim Ausfüllen des Antragsformulars unterstützt und informiert, welche Dokumente in welcher Form einzureichen sind.

Christiane Philipp: Wichtig ist auch die Frage nach der Finanzierung des Verfahrens. Im Erstberatungsgespräch wird auch geklärt, ob der Antragsstellende Anspruch auf einen Anerkennungszuschuss hat. Gegebenenfalls beantragen wir den Zuschuss dann direkt – das muss nämlich zwingend erfolgen, bevor der Antrag auf Berufsanerkennung gestellt wird.

Mit welchen Fragen kommen Anerkennungsinteressierte zu Ihnen?

Christiane Philipp: Die mit Abstand häufigsten Fragen sind: Welche Unterlagen benötige ich? Wie lang dauert das Verfahren? Und wie hoch sind die Kosten dafür? Wie kann das Verfahren ausgehen und was bedeutet „teilweise Gleichwertigkeit“ und „volle Gleichwertigkeit“? HRIFHEF

Alexander Friedrich: Dazu kommen häufig aber noch individuelle Fragen: Wie stehen meine Chancen auf Anerkennung? Werde ich als Fachkraft mehr verdienen? Kann ich nach all den Jahren in meinen alten Beruf zurückkehren und: ist die Gleichwertigkeitsfeststellung „tatsächlich“ bei den Firmen so anerkannt wie ein in Deutschland erworbener Berufsabschluss?

Ist die Erstberatung ein „Muss“ für Antragsteller/innen? Falls nicht, warum sollten sie das Angebot nutzen?

Alexander Friedrich: Das Angebot ist kein Muss. Durch die Erstberatung kann der Antragsteller aber Aufwand und Nutzen der Antragsstellung besser einschätzen. Auch wissen die Anerkennungsberaterinnen und -berater natürlich sehr genau, worauf es im Antrag ankommt und können noch einmal überprüfen, ob alles vollständig ist. Außerdem stellen wir sicher, dass der Antrag an die richtige Stelle gerichtet wird. Damit können wir einer Ablehnung vorbeugen und sparen dem Antragsteller Zeit und Geld.

Christiane Philipp: Auch wenn das Erstberatungsgespräch nicht verpflichtend ist, raten wir als Handwerkskammer immer dazu, das Angebot wahrzunehmen. Die Berufsanerkennung in Deutschland ist aufgrund der verschiedenen zuständigen Stellen schon recht komplex. Aber wer ein Erstberatungsgespräch aufsucht, muss sich mit der Komplexität gar nicht beschäftigen: das übernehmen die Anerkennungsberaterinnen und -berater. Außerdem können wir natürlich alle offenen Fragen klären, z.B. zu Kosten und Dauer des Verfahrens.

Wie häufig kommen Unternehmensvertreter/innen in Ihre Beratung und mit welchen Anliegen bzw. Fragen?

Christiane Philipp: Ungefähr jedes dritte Erstberatungsgespräch findet mit Unternehmensvertretern statt. Letztlich kommen die Unternehmen meist mit den gleichen Fragen wie die potenziellen Antragssteller auch. Unternehmen interessiert natürlich auch, wie sehr ein Anerkennungsverfahren den Betrieb belastet, also wie oft die Fachkraft beispielsweise für Termine freigestellt werden muss. Da können wir dann häufig Sorgen nehmen und Vorbehalte ausräumen. Und vereinzelt kommen auch Unternehmen zu uns, die gerne eine Bewerberin oder einen Bewerber mit Berufsanerkennung einstellen möchten und noch Fragen zum Anerkennungsbescheid haben.

Alexander Friedrich: Auch bei uns melden sich ab und an Betriebe, die ich dann gerne auch vor Ort berate. Meist geht es in solchen Beratungen um Mitarbeiter oder Bewerber mit einem ausländischen Abschluss und die Frage, wie damit umzugehen sei. Häufiger kommen Nachfragen von Unternehmen der Elektrotechnik, ob ein Bewerber eingestellt werden könne und ein Anerkennungsverfahren den Bewerber zu einer Elektrofachkraft mache.

Im Film: Begleiten Sie Ludger Gödde, Geschäftsführer beim Autohaus Gödde in Schmallenberg, und seinen syrischen Mitarbeiter Nabil Al Khadra zum Erstberatungsgespräch.

Was ist Ihr Anliegen und Anspruch als Anerkennungsberater?

Alexander Friedrich: Wir möchten die Ratsuchenden dahingehend beraten, ob eine Anerkennung für ihre ganz individuelle Lebenssituation eine Verbesserung bringt. Welche Berufschancen bieten sich? Wie ist die Arbeitsmarktrelevanz? Verbessern sich die Einstiegs- und Verdienstmöglichkeiten? Reichen die vorgelegten Dokumente aus? Was bedeutet eine teilweise Gleichwertigkeitsfeststellung für sie oder ihn? In fast allen Fällen lohnt es sich, ein Anerkennungsverfahren anzustoßen, vor allem seitdem es die Zuschussmöglichkeit des Bildungsministeriums gibt.

Christiane Philipp: Für potenzielle Antragstellerinnen und Antragssteller muss das Anerkennungsverfahren am Ende einen Mehrwert haben, z.B. durch bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt oder die Aussicht auf eine besser bezahlte Anstellung. In manchen Fällen geht es auch darum, dass sich eine Fachkraft selbstständig machen will. Gegenüber Unternehmensvertretern zeigen die Berater der Handwerkskammer vor allem auf, inwiefern der Betrieb von der Berufsanerkennung profitiert, z.B. als Beitrag zur Mitarbeiterbindung oder als Grundlage für die strategische Personalplanung und -entwicklung.

Wie geht es nach der Erstberatung weiter?

Christiane Philipp: Wenn die Antragstellung sinnvoll erscheint und alle wichtigen Fragen geklärt sind – insbesondere die Zuständigkeiten, die Finanzierung und die nötigen Unterlagen – geht es für den Antragstellenden darum, alle notwendigen Dokumente zusammenzutragen. Das kann im konkreten Fall bedeuten, dass einzelne Unterlagen – z.B. Arbeitszeugnisse vormaliger Arbeitgeber – neu beschafft werden müssen.

Alexander Friedrich: Wichtig ist, dass Unterlagen wie beispielsweise das Ausbildungszeugnis nicht im Original eingereicht werden. Deshalb müssen vorher Kopien angefertigt und beglaubigt werden. Diese werden dann zusammen mit dem Antrag bei der Anerkennungsstelle eingereicht. Im IHK-Bereich erhält der Antragstellende dann nach ca. zwei Wochen eine Bestätigung der IHK FOSA, dass der Antrag geprüft werden kann. Mit der Bestätigung wird auch der Gebührenbescheid versandt. Sobald die Gebühr überwiesen ist, beginnt die Anerkennungsstelle mit der Arbeit. Innerhalb von 3 Monaten wird dann über die Anerkennung beschieden.

Frau Philipp, Herr Friedrich, wir danken Ihnen für das Gespräch!