Berufliche Anerkennung − Klingt kompliziert? Muss nicht sein.

– von Johanna Elsässer

„Früher reichte eine Anzeige in der örtlichen Tageszeitung, und die Fachkräfte und Azubis standen Schlange. Das ist heute nicht mehr so.“ Dirk Abel, DEKTRO Abel GmbH

Eine Lösung für den Fachkräftemangel sieht der Geschäftsführer des Mannheimer Elektrotechnikbetriebs in ausländischem Personal und der beruflichen Anerkennung. Einer seiner Mitarbeiter hat Elektronik für Energie und Gebäudetechnik in Kroatien gelernt; Abel hat seine Anerkennung unterstützt und bilanziert: „Unser Aufwand war insgesamt überschaubar.“

Berufliche Anerkennung muss nicht kompliziert sein
Dirk Abel (rechts) und sein Angestellter Zvonko Kljaic aus Kroatien [© DEKTRO Abel GmbH]

Wer kann wo eine Anerkennung beantragen?

Einen Antrag auf Anerkennung eines ausländischen Abschlusses kann jede Fachkraft stellen – übrigens auch vom Ausland aus. Voraussetzung dafür ist ein im Herkunftsland anerkannter Berufsabschluss. Zuständig für die Anerkennungsverfahren sind in Deutschland in der Regel die Institutionen, die auch für die Abschlussprüfungen oder Berufszulassungen zuständig sind, also zum Beispiel die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern oder die Ärztekammern.

Wie finde ich heraus, welche Stelle zuständig ist?

In Deutschland gibt es rund 1.500 solche zuständigen Stellen. Glücklicherweise muss man kein Berufsbildungsexperte sein, um die richtige Ansprechperson zu finden. Anerkennungssuchende können mit dem „Anerkennungs-Finder“ auf dem Portal „Anerkennung in Deutschland“ mit wenigen Klicks klären, wie und wo sie ihre berufliche Qualifikation anerkennen lassen können.

Das Online-Tool hilft im ersten Schritt, den der Ausbildung entsprechenden deutschen Referenzberuf zu definieren. Man erfährt auch, ob man überhaupt zwingend eine offizielle Anerkennung braucht. Das ist dann der Fall, wenn der Beruf reglementiert ist, die Berufsausübung also an bestimmte staatliche Vorgaben geknüpft ist, zum Beispiel bei Ärztinnen oder Architekten. Für mehr Transparenz und bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt ist eine Anerkennung allerdings auch dann empfehlenswert, wenn sie nur optional ist.

Was macht die zuständige Stelle?

Die zuständige Stelle vergleicht den ausländischen Abschluss mit dem deutschen Referenzberuf. Das dauert in der Regel nicht länger als drei Monate. Wenn es keine sogenannten wesentlichen Unterschiede gibt, erteilt sie einen Bescheid mit einer „vollen Anerkennung“. Wenn wesentliche Unterschiede zwischen den Berufsqualifikationen bestehen, prüft die zuständige Stelle, ob diese zum Beispiel durch Weiterbildungen oder durch einschlägige Berufserfahrung ausgeglichen werden können. Bei nicht-reglementierten Berufen (z.B. Ausbildungsberufen) werden im Bescheid die Unterschiede zum deutschen Abschluss genau beschrieben. Diese differenzierte Beschreibung des Qualifikationsstandes hilft Unternehmen, genauer einzuschätzen, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten die ausländische Fachkraft mitbringt und ermöglicht so eine gezielte Weiterqualifizierung. Bei reglementierten Berufen sind bei wesentlichen Unterschiede formalisierte Ausgleichmaßnahmen im Rahmen der Berufszulassung vorgesehen.

Zu dem hier beschriebenen grundsätzlichen Ablauf kommen für Antragstellende und Unternehmen häufig auch noch individuelle Fragen hinzu: Bekommt der bzw. die Antragstellende finanzielle Unterstützung? Was kann man tun, wenn man die Unterlagen nicht oder nicht vollständig vorlegen kann? Müssen Deutschkenntnisse nachgewiesen werden? Wo gibt es persönliche Beratung? Antworten auf diese und viele weitere Fragen bündelt das Portal „Anerkennung in Deutschland“ – auf Deutsch, Englisch, Griechisch, Italienisch, Polnisch, Rumänisch, Spanisch, Türkisch und Arabisch.

Weiterführende Links:


Johanna Elsässer ist Projektleiterin beim Portal „Anerkennung in Deutschland“.

 

Beitragsbild: Ishan @seefromthesky; Quelle. Unsplash

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