Arbeitsalltag mit Geflüchteten: Zwei Unternehmen berichten

Viele Unternehmen in Deutschland haben die Bereitschaft, Geflüchteten den Einstieg in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Dabei haben Betriebe jedoch häufig zunächst einmal Fragen: Wie können wir sicherstellen, dass die geflüchtete Person über die benötigte Qualifikation verfügt und zu uns passt? Welche besonderen Unterstützungsbedarfe können bei der Beschäftigung Geflüchteter auftreten und wie können wir diesen als Unternehmen gerecht werden?

In unserem heutigen Praxisbeispiel zeigen zwei Betrieben aus unterschiedlichen Branchen, wie die betriebliche Integration Geflüchteter zu einem Erfolg für beide Seiten werden kann.

Die Praxisbeispiele werden uns von unseren Partnern vom NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge zur Verfügung gestellt.


Über das Praktikum zum Ausbildungsvertrag

Die Norbert Schaub GmbH vertreibt chemisch-technische Produkte und Spezial-Schmierstoffe für die Automobilindustrie sowie spezielle Marderabwehrprodukte. Seit 1. August bildet das Unternehmen einen Flüchtling aus Gambia zum Groß- und Außenhandelskaufmann aus – als ersten Auszubildenden überhaupt im Unternehmen.

Bildrechte: Schaub GmbH – Viktor Strasse / offenblen.de

Marika Essig, Assistentin der Geschäftsleitung, freut sich, dem neuen Mitarbeiter diese Chance bieten zu können.

Woher rührt Ihr Engagement für die Integration Geflüchteter in den Arbeitsmarkt?

Wir sind bereits seit Längerem in verschiedenen Bereichen sozial engagiert und immer auf der Suche nach guten Fachkräften. Für uns war deshalb klar, dass wir uns auch für Geflüchtete engagieren. Es ist uns wichtig, ihnen eine echte Chance und Perspektive hier in Deutschland zu bieten.

Welche Erfahrungen haben Sie bei der Einstellung gemacht?

Unsere Belegschaft stand von Anfang an hinter der Entscheidung, einem Geflüchteten die Ausbildung im Betrieb zu ermöglichen – auch wenn es für beide Seiten nicht leicht wird. Besonders positiv empfanden wir den Austausch mit regionalen Akteuren und Initiativen: Über den Mülheimer Flüchtlingshelferkreis kam der Kontakt zu Musa Nijie zustande. Und auch unsere IHK und Unternehmen, die bereits Geflüchtete beschäftigen, waren gute und hilfreiche Ansprechpartner für unsere Fragen.

Und Ihr Tipp an andere Unternehmen, die einen Flüchtling einstellen wollen?

Für uns war klar, dass wir den neuen Mitarbeiter erst einmal besser kennenlernen müssen, um seine Qualifikationen und Fähigkeiten einschätzen zu können. Mein Tipp an andere Unternehmen ist es daher, zunächst ein Praktikum anzubieten. Wir haben hier nur gute Erfahrungen gemacht: Die Mitarbeiter haben Musa Nijie gerne unterstützt und er war sehr wissbegierig. So reifte bei uns schnell der Entschluss, ihm einen Ausbildungsvertrag anzubieten.


Arbeitsalltag mit Geflüchteten: Feste Ansprechpartner etablieren

Die ARCo Personaldienstleistungs- und Beratungsgesellschaft mbH ist ein regional agierender Personaldienstleister mit vier Standorten in Süddeutschland. Im Jahr 2016 hat das Unternehmen bereits vier Geflüchtete in Arbeit vermittelt.

Bildrechte: ARCo Personaldienstleistungs- und Beratungsgesellschaft
mbH – Viktor Strasse / offenblen.de

Thomas Bopp, Geschäftsführer von ARCo am Hauptsitz in Stuttgart, möchte auf das Potenzial, das sich durch Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt in Zukunft eröffnet, nicht mehr verzichten.

Unterstützung im Alltag für die Geflüchteten spielt für Sie eine große Rolle: Welche Themen sind dabei für die Flüchtlinge besonders wichtig?

Wichtig ist die Unterstützung der Bewerber/Mitarbeiter bei behördlichen Angelegenheiten. Die Flüchtlinge benötigen bei uns zum Beispiel sehr kurzfristig eine Arbeitserlaubnis. Beim Ausfüllen der entsprechenden Anträge und bei der Kommunikation mit der Bundesagentur für Arbeit ist unsere Unterstützung sehr wichtig. Auch im Alltag kommen immer wieder Fragen zum Umgang mit Behörden und zur Wohnungssuche auf, bei denen wir die Mitarbeiter beraten und, wenn notwendig, die Kommunikation übernehmen.

Woher beziehen Sie und Ihre Mitarbeiter die Infos, um in diesen Themenbereichen zu beraten?

Wir sind im Bereich Personal seit 20 Jahren aktiv und haben das entsprechende Know-how, um allgemeine Fragen kompetent zu beantworten. Bei speziellen Fragen suchen wir Hilfe bei Institutionen wie z. B. AWO, Welcome-Center, Caritas usw.

Welchen Tipp haben Sie für andere Unternehmen, um Geflüchtete im Alltag zu unterstützen?

Gerade geflüchtete Menschen brauchen einen festen Ansprechpartner im Unternehmen, der ihnen Stabilität und Sicherheit in einem für sie fremden Umfeld vermittelt. Während der Beschäftigungszeit stellen wir daher jedem unserer neuen Mitarbeiter einen persönlichen Berater zur Seite, der sich sowohl um berufliche als auch um private Belange und Fragestellungen kümmert.


Bildrechte Titelbild: Schaub GmbH – Viktor Strasse / offenblen.de

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